Erstellt am 23. Mai 2016, 12:54

von Astrid Krizanic-Fallmann

Zug nach Wladiwostok. In Gefangenschaft war Erwin Frieb aus Rohrbach im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

Handschriftlich notierte Erwin Frieb die Ereignisse, die er fern seiner Heimat erlebte.  |  NOEN, zVg
Während des Ersten Weltkrieges war Erwin Frieb, am 2. September 1880 geboren und am 12. September 1959 verstorben, als Gefangener in Tschita, Sibirien, inhaftiert.

Nach einer von der Roten Armee erlaubten Reise mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas, in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen, saß der Major dann im September 1918 im Lager Pjestrzanka. Dieses wurde jedoch plötzlich aufgelöst, Mannschaft, Offiziere und russisches Aufsichtspersonal in Zügen abtransportiert.

„Niemand wusste das Reiseziel“, erinnerte sich Frieb. „Mit Interesse verfolgte ich das Landschaftsbild auf jener Strecke, welche ich noch vor wenigen Wochen unter so abenteuerlichen Umständen durcheilt hatte. In Dauria erfuhren wir, dass unsere Reise bis nach Wladiwostok gehe. Die Steppe, wo ich seinerzeit den Koffer schleppte, passierte der Zug bei Nacht. Ich strengte meine Augen vergebens an, um jenes Bahnwärterhaus zu erspähen, wo ich mit dem Schweden die Nacht verbrachte, die Dunkelheit war zu groß und ließ nichts unterscheiden. Vorsichtigerweise hatten wir uns bezüglich Verpflegung unabhängig gemacht, da selbstverständlich die chinesische Ostbahn gar nicht daran dachte, Kriegsgefangene zu versorgen.“

Ein glücklicher Zufall kam ihnen zu Hilfe. „Ein berühmter Menagemeister mit seinem ganzen Kücheninventar fuhr in unserem Zug. Dieser gute Mann hatte seine gehamsterten Kellervorräte fürsorglich mitgenommen.“ Andererseits zahlte – gegen jede Tradition – „der Transportkommandant zu unserer freudigen Überraschung die Verpflegsgebühren täglich aus“, so Frieb.
 

„Wir schlugen ihm vor, er soll täglich einmal in einer größeren Station uns einen zweistündigen Aufenthalt erwirken, dann würden wir selbst abkochen.“



Die Sache funktionierte prompt. Bereits auf der Strecke wurden die Vorarbeiten erledigt. „Kaum fuhr der Zug in die verabredete Station ein, so eilte der russische Transportkommandant zum Stationsvorstand. Hatten wir dort den langen Aufenthalt erwirkt, so erfolgte nur das Aviso ,Abkochen‘ – und schon flogen die Kochkessel herunter; eine Arbeitsgruppe lief um Holz, eine andere um Wasser.

Die Köche etablierten neben dem Geleise an einer geschützten Stelle die Küche. Schon nach einer Viertelstunde flackerte das Feuer, die Plennys standen fröhlich um die Kessel herum.“

Ein Offizier war unterdessen mit einer kleinen Abteilung in den Ort gegangen, um Brot aufzukaufen. Nach einiger Zeit war das Essen fertig, ausgeteilt und, jeder konnte mit seiner Portion zufrieden sein.

Gerechte Behandlung auch unter Feinden

Das russische Zugspersonal erhielt auch seine Ration, und schließlich erbarmten sich die Köche der herumstehenden russischen Kinder, welche mit großen Augen schon drei Stunden warteten“, notierte Frieb handschriftlich in seinem Manuskript.