Erstellt am 22. März 2016, 15:04

von Markus Zauner

"Zum Glück ein Jahr ohne Katastrophen“. Franz Kemetmüller zieht im Interview zu seinem Jubiläum Bilanz.

»Durch die Kleinräumigkeit kennen sich die Entscheidungsträger untereinander sehr gut. Daher können oft auf kurzem Wege schnelle, pragmatische Entscheidungen getroffen werden«, erklärt Bezirkshauptmann Franz Kemetmüller im NÖN-Interview.  |  NOEN, Zauner

NÖN: Sie wurden Ende März 2015 zum neuen Lilienfelder Bezirkshauptmann bestellt. Wie fällt Ihre Kurzbilanz nach dem ersten Jahr in dieser Funktion aus? 
Franz Kemetmüller: Ich bin sehr herzlich und überaus freundlich aufgenommen worden. Das war auch ein Mitgrund, warum ich sofort zu allen Bevölkerungsschichten einen guten Zugang gefunden habe. Ich bin sehr gerne im Bezirk und sehr glücklich hier. Als gebürtiger Mostviertler habe ich mich auch mit der Mentalität der Leute sofort zurechtgefunden.

Was waren die bisher herausforderndsten Amtshandlungen?
Zum Glück ist der Bezirk in meinem ersten Jahr als Lilienfelder Bezirkshauptmann von Katastrophen verschont geblieben. Die Zusammenarbeit unter den Einsatzorganisationen im Bezirk funktioniert aber hervorragend. Nicht zuletzt dank der Sicherheitsstammtische kennen sich die handelnden Personen persönlich, das hilft bei Einsätzen, wie zuletzt bei der Liftbergung auf der Gemeindealpe, sehr. Unabhängig davon gab es einige zwangsweise Kindesabnahmen. Solche Entscheidungen zu treffen, ist emotional sehr belastend.

Wo sehen Sie nach Ihren bisherigen Erfahrungen die Stärken und wo die Schwächen des Bezirkes?
Durch die Kleinräumigkeit kennen sich die Entscheidungsträger untereinander sehr gut. Daher können oft auf kurzem Wege schnelle, pragmatische Entscheidungen getroffen werden. Außerdem gibt es ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, das hat auch die Landesausstellung gezeigt.
Als zweite große Stärke sind die Großbetriebe zu nennen, die wie Familienbetriebe geführt werden und durch ihre starke Verbundenheit und Verwurzelung unverzichtbar für den Bezirk sind. Größte Schwäche ist sicher die Abwanderung. Mit Infrastrukturprojekten wurde aber in den letzten Jahren viel gemacht, um diesen Trend zu stoppen — angefangen vom neuen JUFA-Hotel in Annaberg über den Ausbau des Landespensionistenheims Türnitz bis zu den Investitionen auf der Gemeindealpe Mitterbach.

Hat es im ersten Jahr Ihrer Amtszeit an der Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld nennenswerte Veränderungen gegeben?
Nein, ich habe ein sehr gut geführtes Haus mit hoher Eigenverantwortlichkeit der 62 Mitarbeiter übernommen. Daher war kein großer Handlungsbedarf gegeben. Eine moderne, offene und transparente Verwaltung ist mir wichtig.

Welches Resümee ziehen Sie zu den von Ihnen durchgeführten Gemeindebereisungen?
Sie waren ausgesprochen wertvoll. Durch sie war es möglich, sehr rasch einen Überblick über den ganzen Bezirk zu bekommen. Ich habe aber nicht nur die Bürgermeister und Vizebürgermeister und mit ihnen zahlreiche Gemeindeeinrichtungen besucht, sondern auch die Polizeiinspektionen. Außerdem war es mir ein Anliegen, im waldreichsten Bezirk Mitteleuropas eine Forstbereisung durchzuführen.

Wie schauen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Wie gesagt, ich fühle mich sehr wohl hier im Bezirk und habe nicht vor, mich in absehbarer Zeit beruflich zu verändern.

 

Interview: Markus Zauner