VON GILA WOHLMANN
LEOBERSDORF / „Zuerst dachte ich mir, der Mann wollte mir deuten, dass ich langsamer fahren soll oder dass ich vielleicht vergessen hätte, das Licht aufzudrehen“, sagt Klaus Breinschmid.
Der Qualitätsmanager der Firma Prefa war am letzten Freitag von Leobersdorf zur Arbeit nach Lilienfeld unterwegs. In Kaumberg nahe der Waldbrücke bei einer Scheune sah er einen Mann, der mit Handzeichen auf sich aufmerksam machen wollte. „Erst beim Vorbeifahren sah ich, dass eine Hand des Mannes blutig war.“ Der 31-Jährige schob mit seinem Wagen retour und blieb beim Unbekannten mit eingeschalteter Warnblinkanlage stehen. „Der Mann war ansprechbar, aber sehr apathisch und bat mich nur, die Rettung zu rufen, da sein Handy nass sei und nicht mehr funktioniere“, berichtet Breinschmid, der dem Wunsch des Fremden unverzüglich nachkam. Bei näherem Hinsehen sah er, dass der Mann nicht nur an den Händen blutete, sondern auch Schürfwunden im Gesicht hatte. Schließlich schilderte der Unbekannte, was geschehen war und dass seine Hand vermutlich gebrochen sei.
Das Unfallopfer, ein 60-jähriger St. Pöltener, hatte wahrlich mehr als einen Schutzengel. Er war am frühen Morgen auf der Fahrt in Richtung Berndorf plötzlich auf das rechte Fahrbahnbankett der B 18 gekommen, woraufhin er auszulenken versuchte, jedoch auf die Gegenfahrbahn geriet und rund sechs Meter in die Tiefe in einen eiskalten Bach stürzte. „Das Auto lag am Dach“, schildert Breinschmid.
Im Klein-Pkw hatte das Unfallopfer längere Zeit - unbemerkt vom oben an der Straße vorbeifahrenden Morgenverkehr - verletzt verharrt, bis es ihm schließlich gelang, sich selbst zu befreien und entlang des Flussbettes weiterzumarschieren, um über die Böschung wieder auf die Straße zu gelangen.
Breinschmid: „Er war völlig durchnässt und unterkühlt. Drei weitere Fahrzeuge blieben, als sie meinen Wagen mit Warnblinkanlage sahen, stehen und fragten, ob Hilfe von Nöten sei. Ebenso hielt ein zufällig vorbeikommender Krankentransportwagen an“, berichtet der Leobersdorfer, dass auch andere Zivilcourage zeigten. Als die herbeigerufene Rettung sich der Erstversorgung des Verletzten widmete, war auch die Polizei eingetroffen. „Erst als ich mit dem Polizisten ein Stück weiterging, entdeckten wir das Unfallfahrzeug“, erinnert er sich.
„Der Mann hat wirklich Glück, dass er am Leben ist“, meint Polizist Anton Weiss, der zur Unfallstelle herbeieilte. Wie lange der Mann unterkühlt um Hilfe bat, steht noch nicht fest. „Es war nichts Besonderes, was ich gemacht habe“, ist Notrufalarmierer Breinschmid bescheiden. Das Unfallopfer wurde ins Lilienfelder Spital gebracht, wollte aber keine Auskunft über die bangen Minuten im Fahrzeug geben.





