VON SANDRA SAGMEISTER
BADEN / „Mit Schneeschaufeln haben wir den Schutt eigenhändig raus getragen“, erinnern sich Eva Weissenböck und Peter Cerweny bei der Gala anlässlich der 15-Jahr-Feierlichkeit für die Kulturszene Kottingbrunn. Sie führten gemeinsam durch den Abend und kramten einen kleinen Teil vieler Erinnerungen hervor. In Filmeinspielungen wurde etwa gezeigt, wie die Feuerwehr Kottingbrunn anno dazumal in einer Feuerwehrübung den Schneidertrakt mit Wasser ausspritzte, der völlig verdreckt und früher einmal ein Pferdestall war. In mühevoller Arbeit renovierte das Team rund um Obmann und Turbine der „Szene“, Joachim Künzel, anfangs den Markowetztrakt, wo alles begann. Im heute perfekt renovierten Schneider-Trakt, der zweiten Bühne seit 2006, blickten die Moderatoren und das Publikum vorigen Freitag auf 15 Jahre Kulturarbeit. Und es gab viel, auf das geblickt werden konnte. Auch auf traurige Momente, sehr traurige Momente – z.B. den Tod von Thomas Freudensprung, der im Oktober 2011 tödlich verunglückte. Freudensprung war die Seele des Ensembles, spielte im September 2011 mit Hingabe den Bockerer, und er war von Anfang an dabei. Mit einer Schweigeminute wurde dem Ausnahmeschauspieler gedacht. Besonders diese herbstlichen Theaterproduktionen, wo Freudensprung immer tragende Rollen spielte, sprechen den Spirit der Kulturszene – Perfektionismus, gepaart mit einem Quäntchen Freiraum. Profis und Amateure stehen gemeinsam auf der Bühne und spielen. Ob es in „Der Besuch der alten Dame“, „Der grüne Kakadu“, „Faust“ oder „Lena und Leonce“ war oder in diesem Jahr „Wie es Euch gefällt“ sein wird. Den Produktionen hat in den letzten Jahren ein individuell sympathisches Gesicht der Regisseur Anselm Lipgens gegeben, der der „Szene“ auch heuer als inoffizielle Szene-Intendant treu bleibt. 2006 sprang er noch als Schauspieler in „Faust I“ ein und wechselte dann zur Regie: „Theater ist eine seelische Bereicherung und hat Magie“, so Lipgens, der mit seinen Inszenierungen beides in der Kulturszene für sich und sein Publikum vereint.
„Aus Kottingbrunn nicht mehr wegzudenken“
Am 27. Jänner 1997 war die konstituierende Sitzung des Vereins Kulturszene Kottingbrunn. Im Vorjahr kamen 14.000 Besucher zu den Theaterproduktionen, Kabarettvorstellungen, Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Weihnachts- und Ostermärkten sowie dem Konzertzyklus „Konzerte hinter dem Schloss“ der Adam-Schwestern oder den Aufführungen der Amateurtheatergruppe „Amakult“, die heuer mit „Non(n)sens“ ihre zehnte Produktion auf die bedeutungsvollen Bretter brachte – das Credo der „Szene“ war und ist immer die kulturelle Vielfalt zu repräsentieren. Für 2012 peilt man die 15.000-Besucher-Marke an. Ein hochgestecktes Ziel, das aber zu erreichen ist. Und dass die Kulturszene nicht nur ein Ort des nackten Vergnügens ist, der von Fördergeldern lebt (über die Hälfte der Ausgaben wird über Eintrittsgelder gedeckt), sondern auch ein Wirtschafts- und Imagefaktor für den Ort ist, stellte auch Bürgermeister Andreas Kieslich fest.
Möglich gemacht hat diesen Erfolg aber erst das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder, immer wieder angetrieben und motiviert von Joachim Künzel, der aus einer leblosen Hülle eine lebendige Oase miterschuf. Die Umwegrentabilität für den Ort und die Region sei nicht zu unterschätzen. „Die Kulturszene ist kein lästiges Anhängsel und ist aus dem Leben in Kottingbrunn nicht mehr wegzudenken“, so Kieslich. Und so lässt man sich auch weiterhin von großen Plänen antreiben, wie beispielsweise die Sanierung und teilweise Neugestaltung des Markowetztraktes; dies soll in den nächsten Jahren in Angriff genommen werden – visionäre Pläne liegen bereits auf dem Tisch. So soll das Dach ausgebaut werden und in ein Ausstellungszentrum umfunktioniert werden. Und Markowetz- und Schneider-Trakt sollen, wie früher baulich, durch eine Pflanzenspalier verbunden werden. 2014 feiert Kottingbrunn seine erste urkundliche Erwähnung, bis dahin könnte der Markowetztrakt im neuen „Outfit“ erstrahlen. Die Botschaft wurde auch als Bitte an die anwesende Landesrätin Dr. Petra Bohuslav herangetragen, für die die hier geschaffene Infrastruktur verblüffend ist. „Theater ist Leben“, so der Grundtenor des Abends.







