VON OTTO HAVELKA
AU / Vergangener Montag, 19 Uhr: Vor der Kulturhalle in Au stehen die Menschen Schlange. Aber es ist kein Pop-Star und kein Olympiasieger, der die Massen anlockt - es ist die Wahl des ÖVP-Obmanns in der 1.000 Seelen-Gemeinde am Leithagebirge.
Knapp 200 sind gekommen, um die Entscheidung im Duell zwischen dem amtierenden Bürgermeister Herbert Mihaly und seinem Vorgänger und Josef Jandrinitsch zu treffen. Letzterer hat bekanntlich mit sechs weiteren Parteikollegen Ende vergangenen Jahres sein Gemeinderatsmandat aus Protest gegen Mihaly zurückgelegt.
Die Presse musste draußen bleiben
Wie brisant die Wahl war, zeigte die Anwesenheit der VP-Spitze des Bezirks Bruck und des Organisationsreferenten der Landes-ÖVP, Ing. Bernhard Ebner. Nicht dabei sein durfte ein Mitarbeiter der NÖN. „Geschlossene Veranstaltung“, begründete Ebner. Der erwartete Schlagabtausch sollte offensichtlich nicht an die Öffentlichkeit kommen.
Teilnehmer der Veranstaltung berichteten nach der Wahl, dass es tatsächlich ziemlich rüde zugegangen sei und auch mit Zwischenrufen nicht gespart wurde.
Zur Wahl stand neben Bürgermeister Mihaly aber nicht sein Kontrahent Jandrinitsch, sondern dessen Neffe Gerhard Holzer. Jandrinitsch gelang damit ein strategischer Schachzug. Da er bereits länger als zwölf Jahre Parteiobmann war, hätte er für seine Wiederwahl eine Zweidrittel-Mehrheit benötigt. Neffe Holzer genügte hingegen die einfache Mehrheit. - Und die erreichte er auch mit 91 Stimmen.
Mit der Wahl Holzers wurde automatisch auch sein Stellvertreter als Parteiobmann gewählt. Und der heißt Josef Jandrinitsch. Was nicht heißt, dass sich der Ex-Bürgermeister in die zweite Reihe zurückzieht. „Bei der nächsten Gemeinderatswahl trete ich als Spitzenkandidat an“, erklärt Jandrinitsch. Das sei mit dem Ergebnis der Obmann-Wahl „sichergestellt“. Damit scheint das Bürgermeisteramt von Mihaly ein Ablaufdatum zu haben. Denn auf der nächsten Kandidatenliste der ÖVP Au wird er nicht mehr aufscheinen, wie Jandrinitsch schon vor Wochen versicherte.







