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25.01.2012 | 00:00 |
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Was bringt das neue Jahr?
Der Hainburger Bürgermeister Karl Kindl.RITTLER
INTERVIEW / Eine Tour d?Horizon mit dem Hainburger Bürgermeister Karl Kindl über die Landesausstellung, die Schließung der Tabakfabrik und die Vorhaben für 2012.

VON JOSEF RITTLER

HAINBURG / 2011 hat für die Mittelalterstadt tiefgreifende Veränderungen gebracht: Während im Gefolge der Landesausstellung vieles in der Stadt verbessert werden konnte, traf die Schließung der traditionsreichen Tabakfabrik die Stadt hart. Im Gespräch mit der NÖN zieht Bürgermeister Karl Kindl Bilanz über das abgelaufene Jahr und skizziert die Pläne für 2012.

NÖN: Im Jahr 1 nach der Landesausstellung: Was hat die Großveranstaltung für Hainburg gebracht?

Kindl: Zunächst wurde das Ortsbild wesentlich verbessert. Die Parkplätze beim Frachtenbahnhof, die Auffahrt zum Kulturplatz, die Musikschule und der Bauhof sind nur einige der Bauprojekte, die im Zuge der Vorbereitungen für die Landesausstellung realisiert werden konnten. Insgesamt flossen 1,2 Millionen Euro in die Infrastruktur, nicht zuletzt durch die Unterstützung des Landes ist da viel Dauerhaftes erreicht worden. Auch im Grünbereich wurde die Stadt durch die Schaffung neuer Grünanlagen und die ausgewählte Bepflanzung bestehender Flächen attraktiver gestaltet.

NÖN: Was bot Hainburg im Vergleich zu den anderen Standorten Besonderes?

Kindl: Wir haben mehr auf Vielfalt gesetzt, einerseits in der Ausstellung in der Kulturfabrik selbst, andererseits durch die zusätzlichen Ausstellungen im Wienertor und im Wasserturm. Dazu kamen etliche Veranstaltungen, angefangen bei dem großartigen Mittelalterfest über die Mittelaltermärkte und die Gemeindefrühschoppen. Höhepunkte waren sicher auch die beiden Radrennen, die Eröffnung des Hotels „Altes Kloster“, die Bezirksmarschmusikwertung, das tolle Feuerwehrfest und nicht zu vergessen die Landesveranstaltungen in der Kulturfabrik wie der Landesjägertag oder der Landesrauchfangkehrertag.

NÖN: Welche konkreten Auswirkungen sind spürbar?

Kindl: Zweifelsohne fand eine Belebung des Tourismus statt, wir verzeichneten viel mehr Tagesgäste und mehr als 11.000 Nächtigungen, das sind über 200 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Mit dem Hotel „Altes Kloster“ haben wir im Bezirk das einzige Hotel mit vier Sternen, auch dies ein Projekt, das ohne Landesausstellung schwerer zu realisieren gewesen wäre.

NÖN: Wie geht es jetzt weiter?

Kindl: Wir wollen den Tourismus weiterhin auf hohem Niveau halten und uns noch stärker als Mittelalterstadt positionieren. Stadtführungen und Mittelaltermärkte werden wieder regelmäßig stattfinden, ein zweitägiges Mittelalterfest ist schon geplant am 9. und 10. Juni. Damit einher geht die Erstellung eines Tourismuskonzeptes durch die „ETB“- Tourismusmanagement, um vorhandenes Potential auszuloten. Es wird heuer auch erstmals im Frühjahr einen Mittelalterball geben.

NÖN: Welche Projekte werden 2012 die Stadt verändern?

Kindl: Da gibt es einiges: Das renovierte Ungartor wird im Mai eröffnet, im Inneren ist noch einiges zu tun. Mit den Pfadfindern werden wir uns einigen, das Gebäude wird dann gemeinsam genutzt.

NÖN: Und abseits von Mittelalter und Tourismus?

Kindl: Der Zubau des Landesklinikums ist natürlich ein wichtiger Schritt, nicht nur für das Klinikum, sondern auch für die Stadt, immerhin sichert das Klinikum der Stadt wichtige Arbeitsplätze. Begonnen wird ja mit dem Bau der Kirche, ich werde dann der einzige Hainburger Bürgermeister sein, in dessen Amtszeit zwei Kirchen (die Martin Luther-Kirche und die neue Erlöserkirche, Anmerkung) errichtet wurden. Für die Jugend werden wir einiges unternehmen: Die Hauptschule bekommt einen modernen Turnsaal und im Kindergarten in der Burgenlandstraße werden heuer noch zwei neue Gruppen eröffnet.

NÖN: Im letzten Jahr musste Hainburg mit der Schließung der Tabakfabrik auch einen schweren wirtschaftlichen Schlag einstecken.

Kindl: Hainburg und die Tabakfabrik waren wie oft erwähnt durch eine lange Tradition miteinander verbunden. Natürlich verkraftet man den Wegfall eines solchen Unternehmens nicht leicht. Aber Jammern hilft nichts: Wir sehen uns derzeit um, ob andere Betriebe in der Stadt angesiedelt werden können, wir wollen im Osten Hainburgs Betriebsgründe im Flächenwidmungsplan ausweisen lassen, das wird geprüft.

NÖN: Apropos Flächenwidmung: Hainburg wächst kontinuierlich, nicht zuletzt durch Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund. Wie geht die Stadt damit um?

Kindl: Dass wir noch wachsen, ist durchaus in Ordnung, wichtig ist, die Entwicklung zu steuern und nicht zu groß zu werden. Die Siedlungsgrenzen geben da ohnehin einen gewissen Rahmen vor, das Land hat also auch noch mitzureden. Was die neuen Hainburger betrifft, sehe ich derzeit keine Integrationsprobleme: Die Gemeinde bemüht sich, alle anzusprechen und nach Möglichkeit und Interesse einzubinden. Dass sich nicht alle gleichermaßen engagieren, ist bei den Alteingesessenen auch nicht anders, Spannungen zwischen einzelnen Gruppen orte ich jedenfalls keine.

NÖN: Wie sehen Sie die politische Situation in der Stadt im Hinblick auf den kommenden Landtagswahlkampf? Immerhin hätte Ihre Partei, die ÖVP, auch ohne den Koalitionspartner SPÖ mit FPÖ oder Liste Hainburg eine Mehrheit im Gemeinderat?

Kindl: Als Politiker setze ich auf konstruktive Zusammenarbeit: Die großen Parteien haben die Verpflichtung, für die Stadt zu arbeiten und sollten dies gemeinsam tun. Bis jetzt hat es gut funktioniert. Mit den kleinen Parteien möchte ich ebenfalls eine gute Gesprächsbasis halten. So kann vieles ohne unnötige Streitigkeiten geklärt werden. Ich glaube nicht, dass die Landtagswahl auf die Gemeindeebene abfärben und das politische Klima verschärfen wird.


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