VON CHRISTIAN EPLINGER
SCHEIBBS / Stacheldraht am Zaun, beim Einfahrtstor ein großes Schild: „Privatbesitz - Betreten verboten“. Nur mehr wenig erinnert daran, dass der Lehenhof vor gar nicht allzu langer Zeit ein beliebtes Ferienziel für Wiener Jugendliche war.
Im 19. Jahrhundert erbaut, ist das „Baujuwel“ Lehenhof samt dem Schloss und dem insgesamt 25 Hektar großen Areal seit 1939 in Besitz der Stadt Wien. Waren es zuerst Not leidende Kinder, die mit einigen Wochen am Land das Nachkriegselend vergessen sollten, so bot der Lehenhof ab Mitte der 70er-Jahre vor allem Wiener Kindern, deren Eltern sich den jährlichen Sommerurlaub nicht leisten konnten, ein wunderbares Urlaubsdomizil. Seit 1983 führt der Verein „Wiener Jugenderholung“ den Lehenhof im Auftrag der Stadt Wien.
Seit 2000 ging es mit der Auslastung stetig bergab
Bereits Anfang 2000 ging allerdings die Auslastung merklich zurück. Erste Diskussionen über eine Schließung des Lehenhofes konnten aber noch abgewandt werden. 2009 war es dann soweit: Der letzte Ferien-Turnus verließ mit Ende September 2009 Scheibbs. Rund 1.200 Wiener Kinder, die zuletzt ihre Ferien in Scheibbs verbrachten, waren der „Wiener Jugenderholung“ zu wenig, um langfristig eine Fortführung garantieren zu können.
Seit damals steht der Lehenhof leer. 2010 hat die Stadt Wien das gesamte Areal samt Schloss, zwei Nebengebäuden sowie den 20 Hektar Wald- und Wiesenflächen zum Verkauf ausgeschrieben. Doch bislang hielt der Mindestkaufpreis von 3,3 Millionen Euro mögliche Investoren ab. „Vorerst gibt es nichts Neues. Das Areal soll verkauft werden. Wir warten auf Angebote“, erklärt Ingrid Kellaway von der Magistratsabteilung 69, wo das Liegenschaftsmanagement der Stadt Wien angesiedelt ist. Eine Reduzierung des Mindestkaufpreises stehe derzeit nicht zur Diskussion.
„Für uns als Stadt ist es natürlich ganz bitter, weil es ein wunderbares Areal ist, das ungenützt daliegt. Aber uns sind hier die Hände gebunden“, betont die Scheibbser Bürgermeisterin Christine Dünwald. Im Frühjahr 2010 hatte Scheibbs einen möglichen Interessenten an der Angel, mit dem die Stadt Scheibbs damals ein gemeinsames Kaufangebot über 1,85 Millionen Euro abgegeben hatte. Doch das war der Stadt Wien zu wenig. Somit heißt es für Scheibbs weiter warten und hoffen. „Mehr können wir derzeit nicht tun“, weiß Bürgermeisterin Dünwald.







