VON CHRISTIAN EPLINGER
KIENBERG / Es war der 1. Juni 2001, als David J. Kelly die Geschäftsführung von Worthington Cylinders Kienberg übernahm. Drei Jahre zuvor hatte der amerikanische Stahlverarbeitungs-konzern Worthington Industries das ehemalige Heiser Stahlflaschenwerk in Kienberg gekauft. David J. Kelly war ein erfolgreicher Manager aus den USA, den 1999 die IGM Robotersysteme AG in Wr. Neudorf nach Österreich holte. Mitsamt seiner Familie (zwei Kinder) ließ er sich in Bad Vöslau nieder.
„Eigentlich wollte ich nur maximal drei Jahre bleiben“
Elfeinhalb Jahre ist er von Bad Vöslau nach Kienberg gependelt. Ans Übersiedeln hat er nie gedacht. „Ich hatte immer gesagt, dass ich maximal drei Jahre in Kienberg bleibe und dann weiterziehe. Daher wollte ich meiner Frau und meinen Kindern, die sich gerade in Bad Vöslau eingelebt hatten, einen neuerlichen Umzug ersparen“, erzählt Kelly heute.
Seit der Vorwoche hat sich das Pendeln von Bad Vöslau nach Kienberg für ihn erübrigt. Wor-thington und David J. Kelly gehen getrennte Wege. Mit sofortiger Wirkung ist er freigestellt. Ab 1. Mai „arbeitslos“, sollte er bis dahin keinen neuen Job finden.
Abberufung ist eine Sparmaßnahme im Konzern
Der Grund: Umstrukturierungen im Worthington-Konzern. „Umstrukturierungen, die einher gehen mit Kostensenkungen und Reduzierung der Kopfanzahl im Unternehmen. Es wird mehr zentralisiert, so wie es eine renommierte Beraterfirma in den USA empfohlen hat. Die Standorte werden zur verlängerten Werksbank. Damit verliert Kienberg seine Führung vor Ort und ist nun direkt der Konzernleitung in Ohio unterstellt“, schildert Kelly im NÖN-Gespräch.
Die Trennung sei aber freundschaftlich erfolgt. Im Konzern hätte es eben keinen entsprechenden Posten für ihn gegeben und in die Staaten wollte er nicht mehr zurückgehen. „Das passiert eben im Konzernleben. Meine Familie und ich wollen aber in Österreich bleiben. Hier gefällt es uns, hier haben wir unsere Freunde“, sagt Kelly, der innerhalb des Konzerns neben dem Kienberger Stahlflaschenwerk auch für das Worthington-Werk in Tschechien zuständig war.
„Es hat Spaß gemacht, in Kienberg zu arbeiten“
Dass er in Kienberg länger geblieben sei als die ursprünglich geplanten drei Jahre, hätte mit den Mitarbeitern und der Mentalität vor Ort zu tun gehabt. „Es hat in Kienberg Spaß gemacht zu arbeiten. Es war eine wunderbare Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Wir haben viel bewegt und viel umstrukturiert, was nicht immer ganz einfach war. Aber im Vordergrund stand immer das Wohl der Mitarbeiter und damit auch das Wohl der Firma. So waren wir in diesem letzten Jahrzehnt sehr erfolgreich und haben auch die Krisenjahre gut gemeistert“, betont Kelly.
Doch das ist für ihn nun Geschichte. David J. Kelly ist wieder auf Jobsuche. Die sollte allerdings nicht allzu lange dauern. Das erste „Vorstellungsgespräch“ hat Kelly schon in der Vorwoche absolviert. „Ich glaube, meine Chancen stehen nicht so schlecht, wieder einen guten Job zu bekommen. Vielleicht sogar in Niederösterreich. Und ansonsten habe ich auch gute Kontakte zum AMS. Alle AMS-Bezirksstellenleiter von Niederösterreich waren erst im Herbst bei einer Exkursion in unserem Kienberger Werk“, lächelt Kelly, hofft aber nicht ernsthaft, AMS-Kunde zu werden.







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