VON ERICH WESSELY
PRINZENDORF, WIEN / Vor zwei Jahren, am 5. Februar 2010, eröffnete Frank Gassner an der Ecke Zieglergasse-Westbahnstraße im siebenten Bezirk den ersten offenen Bücherschrank in Wien. Weitere folgten im Juni 2010 am Brunnenmarkt in Ottakring sowie im März 2011 im Heinz Heger Park im Alsergrund.
Die Schränke folgen zahlreichen inhaltlichen Vorbildern im deutschsprachigen Raum und ermöglichen den einfachen und unkomplizierten Tausch von Büchern im öffentlichen Raum.
Nachdem sich nun über 100.000 Mal die Türen geöffnet haben, hat sich Frank Gassner entschlossen, den vom ihm entworfenen Schrank im siebenten Bezirk zu erneuern. „Ich habe vor zwei Jahren nicht damit gerechnet, dass er so intensiv genutzt wird. Der Schrank ist leider mittlerweile schon etwas lädiert“, begründet er diesen Schritt.
Wie die bisherigen Schränke wird selbstverständlich auch der Neubau in Neubau aus privater Tasche ohne öffentliche Förderung bezahlt. Es liegt nun eine unbefristet behördliche Genehmigung vor und der stabile und dauerhafte neue Schrank wird lange neben dem Büchertausch auch als sozialer Treffpunkt dienen können. Die Umsetzung erfolgt in „WERKIMPULS“, der von Frank Gassner gegründeten, selbst verwalteten Werkstatt.
Frank Gassner war lange Zeit Nitschs Assistent
Für die Außengestaltung konnte Gassner den Prinzendorfer Künstler Hermann Nitsch gewinnen. Die beiden verbindet eine über mehr als ein Jahrzehnt dauernde intensive Zusammenarbeit, zuletzt an der Bayerischen Staatsoper in München. Nitsch kehrt mit dieser Arbeit auch an die Anfänge seines künstlerischen Werdeganges zurück: Er besuchte vier Jahre „die Grafische“, die damals noch in der Westbahnstraße beheimatet war. Er ist zudem aber auch ein überaus bibliophiler Mensch: In seinem Barockschloss in Prinzendorf kann er für seine zahlreichen eigenen Texte und Bücher auf eine beachtliche Privatbibliothek zurückgreifen.
Am 5. Februar 2012 um 15 Uhr wird der Schrank der Öffentlichkeit vorgestellt. Selbstverständlich fehlt auch nicht der obligate naturbelassene Wein aus Prinzendorf.
Gassner will nun im regelmäßigen Abstand von etwa einem Jahr andere Künstler einladen, die Außenflächen des Schrankes zu bearbeiten. Für das kommende „Grundstein-permanent event“ , der Kunst- und Kulturveranstaltung in der Grundsteingasse im Juni, bereitet er gemeinsam mit Michael Wildmann und Irene Prieler eine mehrteilige Lese- und Gesprächsrunde an den Schränken vor.
Gassner: „Das Prinzip funktioniert ausgezeichnet“
Gassner zu der ungewöhnlichen Idee eines öffentlichen Bücherschrankes im NÖN-Gespräch: „Das Prinzip funktioniert ausgezeichnet. Man kann sich ein Buch, das einem gefällt, herausnehmen, oder ein Buch in den Schrank hineinstellen.“ Die Bücher werden regelmäßig abgestempelt: „Damit sie nicht in den Verkauf gelangen.“
Wie viele Bücher sind eigentlich bereits durch einen Schrank gegangen? Gassner: „Ich habe es durchgerechnet und es müssten pro Schrank 150.000 bis 200.000 Bücher sein.“







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