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24.01.2012 | 00:00 |
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„Ich bin Schweinezüchter!“
Der Einbruch der auf Motorsägen spezialisierten Bande in einen Landmaschinen- und Schlossereibetrieb in Franzhausen (Gemeinde Nussdorf) hat im Oktober 2010 erheblichen Schaden verursacht. In wenigen Minuten wurde der Schauraum ausgeräumt: Chef Andreas Morawetz mit dem Objekt der Begierde, einer Marken-Motorsäge.G. SCHWAB
GERICHT / Blitzartig erbeuteten mehrere Ungarn Motorsägen um rund 230.000 Euro. Ein 33-Jähriger leugnet aber hartnäckig, der Anführer der gefürchteten Bande zu sein.

VON CLAUDIA STÖCKLÖCKER

ST. PÖLTEN / Zweieinhalb Jahre lang, von 2008 bis 2010, suchte eine ungarische Bande hierzulande 14 Mal Lagerhäuser und Landmaschinenhändler heim, zertrümmerte Türen und Schaufenster, packte Motorsägen hurtig ein und fuhr wieder heim. Beute im Wert von rund 230.000 Euro wanderte so ins grenznahe Städtchen Celldömölk. Professionell schritten die Ungarn zur Tat, in einer Gartentechnik-Firma in Pottenbrunn, einer Firma in Franzhausen, in Raiffeisen-Lagerhäusern in Hainfeld, Purgstall und Waidhofen/Ybbs sowie in einigen Orten im Burgenland. Dabei richteten sie enormen Sachschaden an.

Gesiebte Luft atmen bereits etliche Mitglieder der Bande. 20 sollen sie umfassen und im Auftrag von Gabor B. (30) gestohlen haben. Dazu gezwungen habe sie dieser. „Sonst passiert unseren Familien etwas“, erklärte da ein bereits Verurteilter im Prozess am Landesgericht St. Pölten und erzählte von „guten Kontakten des Bosses zur ungarischen Polizei“. Und ein anderer meinte: „Ich hatte kein Geld. Ich dachte, dadurch wird es ein bisschen besser. Ich habe in Ungarn keine Arbeit gefunden, Sozialhilfe gibt es keine. Ich habe gehört, dass man in Deutschland oder England gut bezahlt wird, ich wollte dorthin, aber ich konnte das nicht realisieren.“

„Ich habe eine Tochter. Ich musste meine Familie ernähren“, erzählte ein Dritter und ein Vierter erklärte: „Ich hatte Schulden bei Gabor. Man hätte mich sonst geschlagen, wenn ich nicht mitgemacht hätte.“ 500 Euro bekamen die Ungarn pro Coup vom Rädelsführer, sagten sie. Die Beute habe dieser in seinem Geschäft in Rumänien verkauft.

Nun sitzt Gabor B. selbst vorm Richter. Ob er schuldig ist? „Nein!“, sagt er. Chef der gefürchteten Motorsägen-Bande will er nicht sein, sondern Schweinezüchter und Opfer einer Verschwörung. Nur eine kleine Rolle habe er bei den kriminellen Aktivitäten gespielt, nur einmal wäre er bei einem Einbruch dabei gewesen und einmal habe er geholfen, Beute an den Mann zu bringen.

„Er hat uns zusammengesammelt und uns stehlen geschickt. Er hat die Tattorte ausgesucht, die Aufträge vergeben. Er hat uns Benzingeld gegeben und GPS-Geräte, die Mietwagen bezahlt und er hat Beute übernommen“, sagen Bandenmitglieder. Der Organisator also? „Ja, Gabi ist der Chef.“

Nicht jeder redet gern in Gabors Beisein. „Er hat mir eine Nachricht ins Gefängnis geschickt. Ich solle meine Aussage zurückziehen, dann bekäme ich Geld von ihm“, erzählt da einer. Ein anderer scheint dem verlockenden Angebot erlegen. „Keine einzige Antwort. Verstehst Du?“, erklärt er und schweigt.

Für Gabor B. wird’s eng, ein Zeuge soll aber noch einvernommen werden. Prozess vertagt.


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