VON HANS KOPITZ
HERZOGENBURG / Maßlos enttäuscht ist Nora S. seit vergangener Woche von der Teilnahmslosigkeit mancher Menschen.
Als die 60-Jährige am Dienstag Abend, als es schon stark eindunkelte, mit ihrem Pkw von St. Pölten nach Herzogenburg heimfuhr, sah sie auf der St. Pöltner Straße auf Höhe des Clever-Hotels vor sich etwas Schwarzes mitten auf der Fahrbahn liegen und dachte: „Da hat jemand seine Jacke weggeschmissen.“
Beim Vorbeifahren sah die Frau jedoch, dass sich dieses schwarze Etwas bewegte. Sie fuhr rechts heran, schaltete die Warnblinkanlage ein und lief zurück. Es war jedoch keine Jacke, sondern ein schwer verletzter Hund kleinerer Rasse.
Nora S. wollte einen der zahllos vorbeifahrenden Autofahrer aufhalten, damit dieser Hilfe hole, aber keiner blieb stehen. Also rief sie von ihrem Handy aus ihre Tierärztin an, was sie machen solle, aber die hatte gerade Sprechstunde und das Wartezimmer war überdies voller Patienten.
Da die Herzogenburgerin dann bei genauerer Betrachtung glaubte, den Hund und auch seine Besitzer, die in der Nähe wohnen, zu kennen, nahm sie den Hund von der Straße weg und verständigte dessen Familie.
Es war tatsächlich das Tier, dass von seinen Besitzern noch gar nicht vermisst wurde. Nora S. bot an, sie mit dem schwer verletzten Hund zu ihrem Tierarzt zu fahren, aber sie lehnten ab: „Wir haben einen anderen Arzt!“
„Ich bin so enttäuscht, nicht nur vom Hundehalter, da das Tier angeblich öfter auf der St. Pöltner Straße umherläuft, sondern auch von den vielen Autofahrern, die einfach vorbeigefahren sind“, erklärt Nora S.
„Ja, leider büchst ,Rocky’ manchmal aus, obwohl wir ihn stets im Auge behalten. Mir tut es leid, dass er angefahren wurde und dabei die vorderen Zähne verlor. Inzwischen ist er auf dem Weg der Besserung und wir sind alle sehr froh darüber“, so der Hundehalter auf NÖN-Anfrage.





