VON THOMAS HEUMESSER
HAIN, ZAGGING / Die 131. Mitgliederversammlung der Freiwilligen Hain, die im Heurigenlokal der Familie Redlinghofer in Großhain abgehalten wurde, war denkwürdig. Überstrahlt wurde sie von einer möglicherweise entscheidenden Abstimmung: Soll es zu einer Fusion mit der Freiwilligen Feuerwehr Zagging kommen? Unter den Gästen befand sich daher auch das Kommando der Nachbarwehr mit Kommandant Gerhard Binder, dessen Stellvertreter Bernhard Letschka, Verwalter Leopold Gamsjäger und Verwaltungsmeister Franz Viertl.
Führungskräfte und Gemeindefinanzen
Vor der Abstimmung im Beisein von Abschnittskommandant Helmut Czech, Bürgermeister Andreas Dockner und Vizebürgermeister Joachim Brader erläuterte Hains Kommandant-Stellvertreter Franz Holzmann die Beweggründe, die zu den Abstimmungen in beiden Wehren geführt haben: „Wir sind als Kommando für eine Funktionsperiode gewählt, dennoch haben wir die Verantwortung, uns auch jetzt mit dem Zeitraum nach diesen fünf Jahren zu beschäftigen. In der heutigen Gesellschaft wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren. Noch schwieriger ist es, Führungskräfte zu finden. Auch wenn es uns jetzt noch gelingt, diese Personen zu finden, wird es in Zukunft nicht einfacher.“
Dann sprach Holzmann einen heiklen Punkt an: „Wir sind alle nicht nur Feuerwehrmitglieder, sondern auch Gemeindebürger. Dass die Zeiten, speziell in finanzieller Hinsicht, für die Gemeinden derzeit nicht rosig sind, ist uns allen bekannt. Deshalb sollten wir uns überlegen, wie wir den finanziellen Aufwand für uns alle so niedrig wie möglich halten, um das Bestehen des Feuerwehrwesens auch in Zukunft zu sichern.“
Gemeinsames Haus statt Neubau in Zagging?
Schließlich rückte der eigentliche Beweggrund ins Zentrum: „Wie wir wissen, besteht der Bedarf bei der Freiwilligen Feuerwehr Zagging, ein neues Feuerwehrhaus zu errichten. Sollte dieses Feuerwehrhaus in Zagging errichtet werden, ist für die nächsten Jahrzehnte ein Zusammenschluss unwahrscheinlich. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, die Mitgliederversammlung zu fragen, ob der Wunsch nach einer Wiedervereinigung der Wehren gegeben ist. Wir als Kommando können und wollen diese wichtige Frage nicht selber beantworten, deshalb brauchen wir von Euch den Auftrag, mit der Freiwilligen Feuerwehr Zagging und mit der Gemeinde zu reden oder auch den Auftrag, als eigene Feuerwehr weiterzuarbeiten wie bisher.“
Im Falle einer Fusion würden beide Feuerwehrhäuser - Hain und Zagging - „aufgelassen“. Die Errichtung einer neuen Heimstätte zwischen den beiden Ortschaften ist geplant.
Mehrheit dafür, aber Minderheit sehr stark
Zagging hatte bereits zuvor gewählt: 22 Stimmen für, 21 Stimmen gegen einen Zusammenschluss. Auch in Hain war es spannend: 23 Stimmen dafür, 17 dagegen. Das Ergebnis ist daher beidseitig interpretierbar: Mehr als die Hälfte der Mitglieder, die ihre Stimme abgeben, sind für einen Zusammenschluss - aber auch knapp die Hälfte lehnt ihn ab.
„Werden Gespräche über Zusammenlegung führen“
Daher reagierten beide Kommanten zurückhaltend. Fix sei noch nichts: „Wir bekamen jetzt den Auftrag von unseren Mitgliedern, uns zusammenzusetzen und zu besprechen, ob eine gemeinsame Zukunft möglich ist“, sagt Zaggings Feuerwehrchef Gerhard Binder. Sein Pendant aus Hain, Johann Schuster, blickt voraus: „Wir werden uns jetzt zusammensetzen und Gespräche über die Zusammenlegung der beiden Wehren zu führen.“
VORTEILE:
Die Einsatzbereitschaft ist mit einer zusammengelegten Feuerwehr einfacher zu stellen.
Führungspositionen (Gruppen- oder Zugskommandant) sind aus 100 Mitgliedern einfacher zu finden als mit 50.
Ein gemeinsames Feuerwehrhaus könnte so gestaltet werden, dass auch ein Festbetrieb ohne viel Aufwand durchgeführt werden kann. Auch kann man sich vorstellen, andere Vereine zu fragen, ob sich diese bei einem Neubau beteiligen möchten, um dann das Haus auch gemeinsam zu nutzen.
NACHTEILE:
Jede Feuerwehr, die es weniger gibt, ist auch ein Verlust für die Gesellschaft.
Erst vor kurzer Zeit ist das Feuerwehrhaus in Hain vergrößert und renoviert worden. Dabei ist viel Geld von den Feuerwehrleuten, aber auch von der Gemeinde verwendet worden. Außerdem sind von den Feuerwehrmitgliedern unzählige Stunden in den Umbau investiert worden.






