VON SANDRA FRANK
GÖLLERSDORF, WIEN / Nur ganz wenige Menschen schaffen es, aus dem Maßnahmenvollzug wieder herauszukommen. Mathias Illigen ist einer davon. Der Mann, der seinen Vater getötet hat, verbrachte einige Monate in der Justizanstalt Göllersdorf. Einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.
Nervös und schüchtern begrüßt Illigen die Journalisten, die zum „Hintergrundgespräch“ zu seinem Buch „Ich oder Ich“ ins Wiener Café Imperial gekommen waren und erzählt seine Geschichte. Dass er sie nun einmal selbst erzählen konnte, ist dem Wahl-Wiener wichtig. „Meine Geschichte wurde bisher immer von anderen erzählt. Jetzt wollte ich sie erzählen.“
Im Buch beschreibt Illigen auch seine Zeit im Maßnahmenvollzug in Göllersdorf. Der erste Insasse, mit dem Illigen Kontakt hatte, war der „Kannibale von Wien“. In seinem Buch beschreibt der gebürtige Vorarlberger den ersten Kontakt mit seinem Zellennachbar: „Er war der Zellennachbar des gebürtigen Vorarlbergers und half ihm am ersten Morgen aus einer Misere des Vollzugsalltags: Illigen wollte in seiner Zelle eine Zigarette rauchen, hatte aber kein Feuerzeug. Der Kannibale verriet ihm, wo Feuerzeuge versteckt waren.“
Illigen: „Ich wollte aus Göllersdorf weg …“
Doch lange hielt Illigen es in der Göllersdorfer Justizanstalt nicht aus. „Ich wollte aus Göllersdorf weg, aufgrund dessen, wie es mir dort gegangen ist.“ Darum stellte er ein Ansuchen auf Änderung des Vollzugsortes. Er wollte nach Wien, auf die Baumgartner Höhe. „Das ist eher unüblich, denn viele wollen von Wien nach Göllersdorf, denen ist es in Wien zu stressig.“ Aber genau diesen Stress, den er „Heilsdruck“ nennt, brauchte Illigen für sich, um seinem Ziel, seiner Entlassung, ein Stück näher zu kommen. „Für mich war genau das der richtige Weg“, wusste Illigen schon 2007.
Nach drei Jahren und sieben Monaten konnte Illigen den Maßnahmenvollzug schließlich verlassen und schrieb ein Buch. Außerdem arbeitet er gerade an seiner Dissertation im Fach Kulturwissenschaften. „Im Augenblick bin ich aber eher mit dem Buch beschäftigt“, schmunzelt er und spielt damit auf die vielen Pressetermine an, die sich durch die Veröffentlichung seiner Geschichte ergeben.
Mehr über das Buch „Ich oder Ich – Die wahre Geschichte eines Mannes, der seinen Vater getötet hat.“ finden Sie im Kulturteil dieser Ausgabe (Seite 50).







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