VON CHRISTOPH REITERER
HOLLABRUNN / Die immer wiederkehrenden Forderungen nach einer Diskothek in Hollabrunn lösen bei einem Mann bloß Kopfschütteln aus, der selbst nur 20 Kilometer weiter eine Disko führt: „Jeder, der jetzt in Hollabrunn eine Diskothek eröffnet, ist ein Kamikaze“, sagt Marketing-Experte und Gastro-Coach Thomas Kober vom Ballegro in Ravelsbach.
Es gebe zwei massive Probleme, die der Grund für diese Meinung sind. „Erstens ist Hollabrunn zu nahe an Wien und zweitens braucht man nicht an eine neue Disko denken, wenn jede Woche im Umkreis von 40 Kilometern ein Clubbing stattfindet.“
Die geografische Lage, nur 30 Auto-Minuten von Wien entfernt, hat auch das Ballegro längst zu spüren bekommen. Waren es bei der Eröffnung vor sechs Jahren noch über 40 Beschäftigte, sind heute nur noch 15 Mitarbeiter in der Ravelsbacher Disko engagiert. „Die Situation in der Gastronomie hat sich rapide verändert“, sagt Kober. Wie nach der Einführung der 0,5-Promille-Grenze gebe es jetzt eine Krise. Durch die explodierende Clubbing-Szene und noch schwierigere Auflagen (Nichtraucher-Gesetz) habe auch das Ballegro in der letzten Saison rote Zahlen geschrieben.
Dennoch ist Kober, seit 20 Jahren in der Branche, weiter voller Ideen. „Es geht darum, der Jugend ein Ventil zu bieten und ein Feeling zu verkaufen.“ Kobers Netzwerk funktioniert. Erst am Samstag hatte er volles Haus, als „Two and a Half Men“-Star April Bowlby zu Gast in Ravelsbach war. Die wöchentliche Oldie-Nacht am Sonntag ist auch ein Renner. In einer eigenen Disko-Zeitung gibt er sein Know-how weiter. Das Ballegro finanziert sein Shuttle-Service selbst.
Ballegro in Ravelsbach zu, Disko in Hollabrunn auf?
Und vielleicht landet dieses Know-how doch in Hollabrunn. Kober kann sich vorstellen, über zwei oder drei Monate ein Zelt-Disko-Projekt in der Bezirkshauptstadt durchzuziehen. Die Location würde ein Unternehmer zur Verfügung stellen. Das Ballegro wäre zu dieser Zeit geschlossen. „Natürlich bräuchten wir auch die Unterstützung der Gemeinde.“ Bürgermeister Erwin Bernreiter ist nicht uninteressiert, hat bereits ein Gespräch vereinbart. Und es könnte die Frage geklärt werden, ob Hollabrunn wirklich eine Disko braucht. So sehr wie andere trauert der Stadtchef dem vor fünf Jahren abgebrannten „Hollawood“ jedenfalls nicht nach: „Wir warten noch heute auf ausständiges Geld vom damaligen Betreiber …“








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