VON VERONIKA LÖWENSTEIN
BEZIRK KORNEUBURG / Diesen Montagmorgen am Stockerauer Bahnhofplatz: Zwischen einer Horde von Schülern halten zwei ältere Personen erwartungsvoll Ausschau. Es ist Punkt 7.30 Uhr, als ein blauer Bus einfährt, in den die Beiden einsteigen. Der Bus ist spärlich besetzt. Mit gerade einmal fünf Personen setzt er seine Fahrt fort. Das Ziel ist für die Mitfahrer unbekannt.
Sie sind dem Aufruf der „Salzburger Treuhand“ gefolgt, die vorgibt, zugesagte Gewinne, Reiseschecks und Werbeprämien von verschiedenen Firmen gesammelt zu haben und treuhänderisch zu verwalten. Versprochen wird die Auszahlung eines beiliegenden Schecks in einer Zweigstelle in Wohnort-Nähe inklusive Frühstück und Mittagessen. Sitzt man einmal im Bus, entpuppt sich die Reise als Werbefahrt ins benachbarte Ausland. Vor allem in Stockerau und Umgebung sind in der letzten Wochen dementsprechende „Einladungen“ in die Postkästen geflattert. Aber auch in Korneuburg, Enzersfeld und Langenzersdorf machte der Bus Station.
„Viele hoffen, doch einmal etwas gewonnen zu haben“
Alfred Jordan, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer (AK) Korneuburg, hat in den letzten Tagen viele Anfragen bekommen: „Die Leute fragen bei uns nach, ob das seriös ist“, erzählt er. Immer schwinge die Hoffnung mit, vielleicht doch einmal etwas gewonnen zu haben. „Der Scheck ist recht gut gemacht“, muss auch Christa Hörmann von der AKNÖ-Konsumentenberatung zugeben. Der Abzug von Kontoführungsgebühren vermittelt zusätzliche Seriösität. Doch die Gewinnsumme ist mit 1.052,20 Euro immer die gleiche.
„Nicht in den Bus steigen!“ wird die Arbeiterkammer nicht müde zu betonen. Das Postfach der „Salzburger Treuhand“ ist den Experten von früheren Werbefahrten bekannt. „Die Fahrt führt definitiv ins Ausland“, weiß Hörmann, weil dort die österreichischen Gesetze nicht gelten. „Diese Firma bietet überteuerte Gesundheitsprodukte wie Nahrungsergänzungsmittel und Magnetfeldtherapien zu Preisen bis zu 3.000 Euro an“, warnt Hörmann. Wer gekauft hat, wird oft mit einem Privat-PKW nach Hause gebracht, um nicht im Bus mit anderen Mitfahrern ins Gespräch zu kommen und womöglich skeptisch zu werden. „Wer etwas gekauft hat, soll sofort zu uns kommen“, rät Jordan, „ganz schlecht schaut es allerdings aus, wenn die Leute in bar zahlen.“ Er selbst hat die Erfahrung gemacht, dass vor allem ältere Menschen an Werbefahrten teilnehmen - und das nicht wider besseren Wissens. „Viele wissen sehr wohl, dass es sich um eine Werbefahrt handelt, sagen aber, dass es daheim auch fad ist.“







