VON VERONIKA LÖWENSTEIN
KORNEUBURG / Woche eins nach dem Syntegrationswochenende: Während ÖVP und FPÖ euphorisch über die 42 Handlungsempfehlungen sind, ist bei den Grünen Ernüchterung eingetreten. Die SPÖ, die nicht am Workshop teilgenommen hat, sieht den Prozess gar als „vorerst gescheitert“ an. Wie berichtet, will die Stadtgemeinde mit Hilfe der Unternehmensberatung Malik ihr Budget langfristig um 7 bis 10 Prozent entlasten. Syntegration nennt sich der dreieinhalbtägige Prozess, bei dem 39 Korneuburger ihr Wissen in 42 Handlungsempfehlungen zusammengefasst haben. 500.000 Euro kostet das Projekt, maximal 100.000 Euro hat die Stadt zu tragen. Wobei die ÖVP nicht müde wird zu betonen, dass diese Summe auch die Begleitung durch die Firma Malik bis 2015 umfasst.
Was die Stadt zahlt, kommt auf die Malik-Leistung an
Wieviel der Workshop alleine gekostet hat, kann ÖVP-Stadtchef Christian Gepp nicht beziffern: „Wir haben einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem Land. Wir zahlen maximal 100.000 Euro, es kommt darauf an, welche Leistungen wir abrufen.“ Geht es nach den Grünen, sollen das nur noch wenige sein. Stadträtin Elisabeth Kerschbaum spricht von „ernüchternden Ergebnissen“ der Klausur, fordert eine Zwischenabrechnung und dazu auf, die Malik-Leistungen „auf ein Minimum“ zu beschränken.
Land zahlt auch für Kauf des Syntegrations-Modells
Die SPÖ sieht in der Syntegration eine „beispiellose Geldverschwendung“, von einer Nachbetreuung sei in der Malik-Werbung keine Rede. Vielmehr heißt es dort: „Durch genial vernetztes Kommunizieren nützen 20 bis 40 Schlüsselpersonen der Stadt ihr ganzes Wissen und lösen die zwölf wichtigsten Fragen für die Zukunft ihrer Stadt in der ultrakurzen Zeit von nur dreieinhalb Tagen [...].“ SPÖ-Chef Robert Zodl folgert: „13 Personen waren beim Workshop anwesend, das ist ein Stundenlohn von 1.000 Euro.“ Gepp erklärt die Kosten von einer halben Million damit, dass das Land nicht nur einmalig die Syntegration kauft, sondern das ganze Malik-Modell. Deshalb waren auch Beobachter des Landes bei der Klausur anwesend, die den Prozess später in anderen Gemeinden selber umsetzen sollen. „Das Land muss auch für die Idee und das Wissen zahlen“, erklärt Gepp. Letzte Woche fand bereits die erste Gesprächsrunde zwischen Gemeindevertretern und Malik-Mitarbeitern statt, bei dem die Handlungsempfehlungen politischen Verantwortlichen und Mitarbeitern zugeteilt wurden. Das derzeit errechnete Einsparungspotenzial von konkreten Vorschlägen schlägt sich mit 1,5 Mio. Euro zu Buche. Aber Gepp ist sicher: „Da ist noch viel mehr drinnen!“
Werbung und Wirklichkeit: Viele Vorschläge nicht neu
Die SPÖ fühlt sich bestärkt in ihrer Entscheidung, nicht an der Syntegration teilgenommen zu haben. „Die Syntegration ist doch keine Schweizer Wunderwaffe. Es gab kaum neue Projekte und Maßnahmen“, so Zodl, der wieder auf die Malik-Werbebroschüre verweist, in der „50 bis 100 Projekte und Maßnahmen“ versprochen werden, „von denen im Schnitt die Hälfte neu sind“. Auch der Stadtchef gibt zu, dass nicht „so viel Neues“ dabei war, er fordert aber dazu auf, dem Projekt eine Chance zu geben: „Es geht auch um den Anstoß und den Beginn einer Bewusstseinsbildung“, so Gepp.







