VON HANS-PETER PRESSLER
In der Saison 2008/2009 holten die KEV Eagles den letzten Landesmeistertitel. Nur drei Jahre später verpassen die Kremser klar den Einzug in das Obere Play-off. Obmann Franz-Michael Seidl erklärt im NÖN-Interview die Gründe für das schwache Abschneiden.
NÖN: Wie tief sitzt der Stachel, nachdem das Erreichen des Saisonziels frühzeitig außer Reichweite gerückt ist?
Franz-Michael Seidl: Der Stachel sitzt sehr tief, weil ich die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustande gekommen ist, nicht gut heißen kann. Die Einstellung einiger Akteure zum Sport ist mangelhaft. Wir nehmen an einem Meisterschaftsbetrieb teil und sind keine Wirtshaustruppe.
NÖN: Wie schwer wogen die Ausfälle einiger Leistungsträger rückblickend?
Seidl: Schwerer als angenommen. Mein Comeback ab Runde vier wurde aus der Not heraus geboren. Das Team hatte aber genug Qualität, um den Top-4-Platz zu erreichen. Gegen Verletzungen ist man nur bedingt gefeit, Sperren hingegen sind vermeidbar.
NÖN: Ihre Mannschaft ist oft nach guten Anfangsdritteln zurückgefallen. Wie erklären Sie sich diesen Umstand?
Seidl: Dieses Phänomen lässt sich mit der körperlichen Verfassung leicht erklären. Das Dilemma beginnt in der Vorbereitung, in der der Grundstein für die Saison gelegt wird. Hier wären wir bei dem Punkt, dass viele zu wenig Selbstinitiative zeigen und überdies das Angebot, in der Eishalle in St. Pölten zu trainieren, nicht annehmen. Mit Fortdauer des Matches geht den Spielern Kraft und Konzentration verloren und sie müssen sich häufiger mit Fouls helfen. Weiters steigt das Verletzungsrisiko, wenn der Organismus müde wird.
NÖN: Im Sport wird bei Misserfolg rasch der Trainer infrage gestellt. Wie stehen Sie zu Vaclav Bastar?
Seidl: Er ist ein absoluter Fachmann und genießt mein vollstes Vertrauen. Wenn bei fünf gegen fünf ein bis zwei Spieler auslassen, weil das taktische Verständnis und die Einsatzbereitschaft wegen chronischer Selbstüberschätzung fehlen, und zudem durch Undiszipliniertheiten die Strafbank regelmäßig besetzt ist, hält sich der Erfolg nun mal in Grenzen. Kein Spieler kann behaupten, dass er sein Potenzial heuer ausgeschöpft hat. Ich kann Vaclav nur vorwerfen, dass er keinen der Unruhestifter eliminiert hat. Die Altersstruktur im Team stimmt, nur gibt es keine Hierarchie.






