VON CLAUDIA STÖCKLÖCKER
LILIENFELD / Wüste Szenen spielten sich im Vorjahr, am 28. Oktober, in der Asylunterkunft Lolita in Lilienfeld ab. Zum Messer griff damals ein 31-jähriger Marokkaner, stach mehrmals auf einen Tunesier (31) ein. Eine Russin wollte den Rasenden vom Opfer ablenken, indem sie sich selber mit einer Rasierklinge in die Arme schnitt. Ein Großeinsatz der Polizei folgte, gleich mehrere Streifen wurden zum Heim beordert. Als der Marokkaner dann verhaftet wurde, rastete er völlig aus und leistete massiven Widerstand.
„Zu viert haben wir alle Hände voll zu tun gehabt, er war einfach nicht zu beruhigen“, erzählt ein Polizist im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Mit Pfefferspray gelang es, den Wütenden zu überwältigen. Alles war das aber noch lange nicht.
Ruhe erst nach der dritten Beruhigungsspritze
In der Arrestzelle verstopfte der 31-Jährige zuerst die Toilette, überflutete dann den ganzen Raum und beschmierte obendrein noch die Wände mit Exkrementen. „Er lag am Boden, hat mit dem Kopf auf die Fliesen eingeschlagen, sich dabei den Kopf blutig geschlagen“, sagt ein Exekutivbeamter. Erst nach der dritten Beruhigungsspritze eines Notarztes war Schluss. Fazit des Amoklaufs: ein verletzter Asylant, drei verletzte Exekutivbeamte, einer von ihnen mit einem Sehnenschnitt an der Hand.
Und warum das Ganze? „Ich kann es nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich betrunken war“, sagt der Angeklagte vor Richter Mag. Helmut Weichhart.
„Nach zehn Dosen Bier war ich nicht bei Sinnen“
„Alkohol, das ist mein Problem. Nach zehn Dosen Bier war ich nicht bei Sinnen“, erzählt der 31-Jährige weiter. Ob Eifersucht und Rache Motive waren? „Vielleicht.“ Alkohol konsumiere er „seit meine Mutter gestorben ist, weil ich nicht bei ihrem Begräbnis dabei sein konnte“. Dass er Polizisten verletzt hat, daran erinnert er sich nicht mehr. „Er hat tatsächlich sehr viel getrunken“, sagt der Tunesier, und: „Er hatte psychische Probleme. So wie damals habe ich ihn davor noch nie gesehen.“ „Er war sehr eifersüchtig. Zuletzt auch auf das Opfer“, erklärt eine Asylantin.
Ein Psychiater attestiert dem Marokkaner zwar Zurechnungsfähigkeit, doch eine schwere Persönlichkeitsstörung. Die Gefahr, dass der 31-Jährige in nächster Zeit Menschen wieder verletzt oder sogar tötet, bestünde.
Ob der Marokkaner noch etwas sagen will? „Ja, ich bitte um Verzeihung für alles, was ich angerichtet habe.“
Das Urteil: zwei Jahre Gefängnis wegen absichtlich schwerer Körperverletzung, schwerer Sachbeschädigung und versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher aus. Das Urteil ist rechtskräftig.







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