VON NADINE RIGELE
BEZIRK, PÖCHLARN / Die Drogeriekette Schlecker hat am Freitag in Deutschland nach finanziellen Engpässen Insolvenz angemeldet. Nicht einmal die Schließung von mehr als 1.000 Filialen brachte das Unternehmen wieder auf Kurs. Jetzt soll mit einer Planinsolvenz die Kette in Deutschland erhalten und saniert werden.
Die Meldung vom Freitag vermieste wohl so manchen Schlecker-Arbeitnehmern aus dem Logistikzentrum in Pöchlarn und den 14 Filialen im Bezirk das Wochenende, denn die Zukunft der österreichischen Konzerntochter scheint ungewiss.
Krisenkommunikation lässt zu wünschen übrig
Von transparenter Kommunikation hält man am Standort Pöchlarn allerdings wenig. Während am Freitag Schlecker-Österreich Geschäftsführer Andreas Kozik in der Tagespresse noch zitiert wird, verweist man in Pöchlarn flapsig nach Deutschland. „Wir geben keine Auskunft.“
VP-Bürgermeister Alfred Bergner trifft mit seiner Beschreibung der Kommunikationspolitik den Nagel auf den Kopf: „Peinlich berührend.“ Denn auch seine Anfragen waren nicht willkommen: „Wenden Sie sich am Montag an meine Sekretärin. Es regnet“, so der knappe Kommentar des Geschäftsführers laut Bergner.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist er aber „froh über diesen Arbeitgeber“. Immerhin sind im Verteilerzentrum für Ostösterreich in Pöchlarn 95 Mitarbeiter beschäftigt, überwiegend Frauen. Bergner weiß: „Der Leistungsdruck ist groß.“
Verena Harrauer vom Institut für Handel und Marketing an der WU Wien rechnet vorerst nicht mit einer Insolvenz: „Schlecker hat in Österreich eine gute Performance.“ Für wahrscheinlicher hält die Ybbserin eine „Gesundschrumpfung“: „Restrukturierung und eine schlankere Linie können einen Konkurs verhindern. Dann wäre auch der Standort Pöchlarn gesichert.“
Eine Zerschlagung des Unternehmens bringe das Risiko, dass die Standorte nicht übernommen werden. Denn: Anders als dm und Bipa ist Schlecker auf weniger gute Standorte zu geringen Mietpreisen spezialisiert.
Dabei kämpft der Konzern mit schlechten Imagewerten. „Die Marke wurde aber modernisiert“, weiß die Handelsexpertin. Branchenführer dm und Bipa legen allerdings die Latte hoch.
Die Gewerkschaft will noch abwarten, ob die 3.000 Mitarbeiter in Österreich ihr Gehalt am Ende des Monats erhalten.








