VON CHRISTIAN FEIGL
NEUNKIRCHEN / Es ist das eingetreten, was viele im Vorfeld befürchtet hatten: Mit dem Auszug der Frequenzbringer aus der Innenstadt in das Einkaufszentrum hat sich die wirtschaftliche Lage für viele Betriebe im Zentrum verschärft. Besonders dramatisch ist die Situation aktuell aber in der Herrengasse.
Jüngstes und bekanntestes Opfer der Krise ist das Bekleidungsgeschäft „Fürpass“: Seit 1990 ist das Familienunternehmen mit steirischen Wurzeln hier beheimatet, Ende des Monats muss man schließen - und das, obwohl sogar die Immobilie in Familienhand ist.
Dramatische Frequenz- und Umsatzeinbrüche
„Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht, aber die aktuellen Umstände zwingen uns dazu“, erklärt Rosa Fürpass im Gespräch mit der NÖN. Sie spricht von dramatischen Frequenz- und damit verbundenen Umsatzeinbrüchen seit dem Wegzug des Libro aus der Herrengasse. „Die Situation ist einfach eine Katastrophe, uns blieb gar nichts anderes übrig.“ Die gesamte Konzentration der Firma gilt nun dem Mutterstandort in Hartberg: „Dort ist die Situation ähnlich, aber doch besser. Zum einen gibt es dort Tourismus und zum anderen kann man bei uns zwei Stunden kostenlos parken.“ Zwei Angestellte sind von der Schließung des Geschäfts in Neunkirchen betroffen.
Mit dem Abgang von Libro fehlt die Laufkundschaft
Nur unweit davon entfernt befindet sich die Firma „ASP“, wobei die Abkürzung für „außergewöhnlich schöne Produkte“ steht. Auch dieses, auf Geschenkartikel spezialisierte Unternehmen streicht mit Monatsende in der Herrengasse seine Segel und übersiedelt in die Wiener Straße: „Mit dem Wegfall des Libro ist auch die Laufkundschaft ausgeblieben. Wir haben das Geschäft nur als zweites Standbein und können deshalb nicht monatelang tatenlos zusehen“, erklärt Andrea Schuster den Handlungsbedarf. Generell gesteht sie der Gasse aber großen Charme zu: „Die Herrengasse ist an sich sehr schön und bei Passanten beliebt, deshalb kann ich auch nicht vorhersehen, wie sich eine Verkehrsöffnung auswirken würde. Aber man muss schon bedenken, dass die Fahrbahn dort sehr schmal ist.“
Einer der wenigen florierenden Platzhirsche in der Herrengasse ist das Modehaus Leskovar: „Natürlich bemerke ich, dass die Frequenz seit der Abwanderung großer Innenstadtketten deutlich weniger geworden ist, aber wir spüren das nicht so dramatisch, da wir an der Ecke liegen und auch Kunden über die Triester Straße anziehen. Außerdem haben wir einen großen Stock an Stammkunden“, plaudert Norbert Leskovar aus dem Nähkästchen.
Vom Gegner zum Befürworter
Dem Geschäft gehe es demnach noch gut, obwohl Frequenzsteigerung dringend notwendig und wünschenswert wäre. Aus diesem Grund ist der Geschäftsmann auch nicht mehr grundsätzlich gegen die einstige Idee von Peter Konrath, die Herrengasse für den Individualverkehr in einer leichten Form, dem sogenannten „Shared Space“, zu öffnen: „Früher war ich ein Gegner dieses Projekts, aber je mehr ich mir die aktuelle Situation anschaue, umso mehr bin ich dafür. Der Konsument will ganz einfach größtmöglichste Bequemlichkeit haben.“
Verkehrsöffnung ist noch nicht vom Tisch
In der Politik ist die Problematik bekannt: „Wir wissen, dass es an Frequenz mangelt, wobei man sagen muss, dass der Jänner generell ein schlechter Monat ist“, so Bgm. Herbert Osterbauer. Eine Gegenmaßnahme ist das Veranstaltungspaket, das von Februar bis Oktober die Innenstadt beleben soll. „Aber natürlich müssen auch die Unternehmer aktiv ihren Anteil dazu beitragen, sprich, ihr Angebot entsprechend attraktiv gestalten“, nimmt der Stadtchef auch die Wirtschaftstreibenden in die Pflicht.
Auch das Thema „Shared Space“ in der Herrengasse sei keineswegs politisch bereits vom Tisch: „Im Gegenteil, hier wäre es sogar einfach zu realisieren, weil sich die Fahrbahn auf einem Niveau befindet.“ Allerdings, so Osterbauer, sei durch den Verkehr nicht automatisch auch eine Belebung durch Einkäufer garantiert.







