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30.01.2012 | 00:00 |
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„Ein Bild, wie bei Seewirt gefuhrwerkt wurde!“

GERICHT / Rund 150.000 Euro soll der Ex-Pielachtaler Seewirt versandet haben. Von Desaster erzählen ehemalige Mitarbeiter.

VON CLAUDIA STÖCKLÖCKER

HOFSTETTEN-GRÜNAU /  „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Gegen mich wurde einseitig ermittelt!“ Das erklärte der ehemalige Pielachtaler Seewirt Reinhard P. bereits im März letzten Jahres im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Mit Malversationen wollte er nichts zu tun haben.

Staatsanwalt: „Zwei Drittel  des Umsatzes fehlen“

2006 pachtete der 44-Jährige den Gastronomiebetrieb in Hofstetten-Grünau. Ein Desaster soll er dann hinterlassen, seinen Geldgeber, einen Vermögensberater, geprellt und rund 150.000 Euro in den Sand gesetzt haben. Schwerer Betrug, Urkundenfälschung, falsche Beweisaussage und Verleumdung stehen auf der Liste der Vorwürfe. „Der Angeklagte hat eine Generalvollmacht gefälscht, vom berechneten Umsatz fehlen zwei Drittel, auf dem Computer hat er eine Urkunde vorbereitet, bei der versucht wird, die Gesellschafterstellung umzudrehen. Er hat begonnen, seinen Financier zu verleumden und einen Mietvertrag gefälscht“, sagte damals Staatsanwalt Mag. Karl Fischer vor einem Schöffensenat.

Ungeöffnete Gerichtsbriefe  in Badezimmer und WC

Dieses Mal geben im Prozess Zeugen Einblick. „Auf der Toilette und im Badezimmer hab’ ich Rechnungen und Gerichtsbriefe gefunden, geöffnete und ungeöffnete, unter der Treppe standen Schachteln mit Akten. Und wenn ein Lieferant gekommen ist, musste ich sagen, dass Herr P. nicht da wäre. Einmal hat ihm sein Geldgeber für ein Fest 5000 Euro gegeben für den Wareneinkauf. Was P. damit gemacht hat, weiß ich nicht. Er hat erzählt, er habe sich um 1500 Euro einen Lkw gekauft“, sagt eine ehemalige Mitarbeiterin vor Richter Mag. Markus Grünberger. Die Frage, ob der vom Angeklagten angegebene Umsatz stimmen kann, verneint sie. „Es muss mehr gewesen sein. Und er hat gemeint, sein Geldgeber werde noch fest draufzahlen.“

Zeugin: „Der Angeklagte  hat nichts gearbeitet“

„Ich bin dort schnell weg. Weil ich kein Geld gekriegt hab’“, sagt eine Kellnerin. Ob sie weiß, wie abgerechnet wurde? „Ich glaub’, es gab eine Registrierkasse. Benützt wurde die nicht. Herr P. hat die Einnahmen mitgenommen“ „Und was hat der Angeklagte gearbeitet?“, will der Staatsanwalt wissen. „Nichts!“ Besonders erinnert sich die Kellnerin an einen Koch. „Der war unhygienisch. Vor dem hat mich gegruselt.“ „Ich hab’ ihm 2500 Euro für die Stromrechnung geliehen. Als Sicherheit hätte ich einen Rasenmähertraktor bekommen sollen, gekriegt hab’ ich einen Kaufvertrag“, erzählt ein Dritter.

Für den Ankläger steht fest: „Ein Bild, wie da gefuhrwerkt wurde.“ Im März geht der Prozess in die nächste Runde.


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Hofstettner (2)
30.01.2012 16:43

(0)
Ärgerliches Thema
Jetzt erlaube ich mir, mich auch einmal einzuschalten und meinen Unmut zum Ausdruck zu bringen.

Unmut über Arroganz, Behördenfaulheit und unerbittliche Kriminalität! Wie kann es sein, daß dieser Fall, der ja schon Jahre zurückliegt, erst jetzt verhandelt wird? Was war die Jahre dazwischen? Die Mühlen der Justiz nahmen zwar langsam, mag sein - aber dass juristische Bürokratie zu Lasten aller Betroffenen fällt, das finde ich - auch hinsichtlich des Angeklagten - nicht toll.

Äußert arrogant finde ich die Verantwortung des Herrn Seewirt, aber das ist ja aufgrund der vielen Jahre mittlerweile schon ein sehr verinnerlichtes Thema. Wie kann man bitte sich mit so einem Satz als Mensch so disqualifizieren: WENN ICH DIE MENTALITÄT DER ORTSANSÄSSIGEN GEKANNT HÄTTE! Ich würde da als Staatsanwalt glatt fragen: Herr Angeklagter, hätten Sie die "Mentalität" des Pielachtal gekannt, hätten Sie dann keine strafbaren Handlungen verwirklicht? Was hat die Mentalität der Bewohner (einstiger NÖN-Bericht) mit der Nicht-Anpassungsfähigkeit eines Möchtegern-Gastronomen zu tun? Sollen jetzt die HOFSTETTNER für diese lächerlichen Jahre, wo "Herr P." sich als Skandalwirt behauptete, herhalten? Ich finde diese globale Anschuldigungen des Herrn Seewirt eine blanke Frechheit!

Apropos: Vielleicht sollte sich Herr P. künftig als Betreiber einer Geisterbahn behaupten, den "unhygienische Gruselköche" haben dort eher was zu suchen, als in einem Gastronomiebetrieb!

Leider bewahrheitet sich auch beim Herrn Seewirt auch das weise Zitat: "nomen est omen"...
3202 (4)
30.01.2012 16:10

(0)
Das war 2007 !
Es gab schon so einen Vorfall im Jahr 2007 als der Seewirt damals delogiert wurde und sich angeblich beim Bürgermeister rächen wollte. Ich glaub nicht, dass sich das nochmal wiederholt hat sondern das das von damals ist ! Trotzdem - schlimm genug!
dorli2306 (3)
30.01.2012 16:01

(0)
Zeitungsartikel von letzter Woche - wer weiß davon?
Ab 26. Jänner geht es im Landesgericht St. Pölten zur Sache: Ex-Seewirt Reinhard P. ist angeklagt. (Text & Foto: Huber)

¶HOFSTETTEN (HH). Der Bürgermeister von Hofstetten-Grünau, Josef Hösl, ist nach wie vor kreidebleich, wenn es um den Namen Reinhard P. geht. Hat ihm doch der Ex-Geschäftsführer des „Pielachtaler Seewirtes“ jahrelang die Hölle auf Erden bereitet. Nun wird dem Mann ab 26. Jänner im St. Pöltner Landesgericht der Prozess gemacht. Schwerer Betrug, versuchter Versicherungsbetrug, Verleumdung, Urkundenfälschung und falsche Zeugenaussage werden ihm unter anderem angelastet. Die Schadenssumme beträgt über 150.000 Euro. Ein Schöffensenat wird entscheiden, ob Reinhard P. hinter Gitter gehen wird oder nicht. 30 Zeugen und Gutachter, welche zur Aufklärung der verdächtigen Strafdaten beitragen sollen, sind dabei geladen.

Massive Bedrohung
„Ich bin von Reinhard P. massiv bedroht worden. Einmal hat er sogar zu mir gesagt, dass er mich umbringen wird“, echauffiert sich Bürgermeister Josef Hösl. Die Polizei habe ihm damals keinen Schutz gewährt, beklagt Hösl. Er habe sich immer sehr vorsichtig gegenüber dem Angeklagten verhalten, da er nicht wusste, was dieser tatsächlich machen würde. In der gegenständlichen Hauptverhandlung wurde ein Mittäter von P. bereits rechtskräftig wegen Beihilfe zu schwerem Betrug verurteilt.
„Reinhard P. führte jahrelang den von der Gemeinde Hofstetten gepachteten Betrieb „Pielachtaler Seewirt“. Obwohl der Angeklagte die wirtschaftliche Lage des Betriebes als prekär schilderte, erwirtschaftete dieser beträchtliche Umsätze, welche allesamt veruntreut wurden und die Zahlungsunfähigkeit des Betriebs nahezu herbeiführte“, schildert ein Privatbeteiligter.
Dazu soll er Urkunden und Rechnungen gefälscht und etwa 15 Mitarbeiter schwarz beschäftigt haben. Bei Hausdurchsuchungen sollen damals tausende Seiten belastendes Buchhaltungsmaterial sichergestellt worden sein.
Es gilt selbstverständlich wie immer die Unschuldsvermutung.

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