VON CLAUDIA STÖCKLÖCKER
HOFSTETTEN-GRÜNAU / „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Gegen mich wurde einseitig ermittelt!“ Das erklärte der ehemalige Pielachtaler Seewirt Reinhard P. bereits im März letzten Jahres im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Mit Malversationen wollte er nichts zu tun haben.
Staatsanwalt: „Zwei Drittel des Umsatzes fehlen“
2006 pachtete der 44-Jährige den Gastronomiebetrieb in Hofstetten-Grünau. Ein Desaster soll er dann hinterlassen, seinen Geldgeber, einen Vermögensberater, geprellt und rund 150.000 Euro in den Sand gesetzt haben. Schwerer Betrug, Urkundenfälschung, falsche Beweisaussage und Verleumdung stehen auf der Liste der Vorwürfe. „Der Angeklagte hat eine Generalvollmacht gefälscht, vom berechneten Umsatz fehlen zwei Drittel, auf dem Computer hat er eine Urkunde vorbereitet, bei der versucht wird, die Gesellschafterstellung umzudrehen. Er hat begonnen, seinen Financier zu verleumden und einen Mietvertrag gefälscht“, sagte damals Staatsanwalt Mag. Karl Fischer vor einem Schöffensenat.
Ungeöffnete Gerichtsbriefe in Badezimmer und WC
Dieses Mal geben im Prozess Zeugen Einblick. „Auf der Toilette und im Badezimmer hab’ ich Rechnungen und Gerichtsbriefe gefunden, geöffnete und ungeöffnete, unter der Treppe standen Schachteln mit Akten. Und wenn ein Lieferant gekommen ist, musste ich sagen, dass Herr P. nicht da wäre. Einmal hat ihm sein Geldgeber für ein Fest 5000 Euro gegeben für den Wareneinkauf. Was P. damit gemacht hat, weiß ich nicht. Er hat erzählt, er habe sich um 1500 Euro einen Lkw gekauft“, sagt eine ehemalige Mitarbeiterin vor Richter Mag. Markus Grünberger. Die Frage, ob der vom Angeklagten angegebene Umsatz stimmen kann, verneint sie. „Es muss mehr gewesen sein. Und er hat gemeint, sein Geldgeber werde noch fest draufzahlen.“
Zeugin: „Der Angeklagte hat nichts gearbeitet“
„Ich bin dort schnell weg. Weil ich kein Geld gekriegt hab’“, sagt eine Kellnerin. Ob sie weiß, wie abgerechnet wurde? „Ich glaub’, es gab eine Registrierkasse. Benützt wurde die nicht. Herr P. hat die Einnahmen mitgenommen“ „Und was hat der Angeklagte gearbeitet?“, will der Staatsanwalt wissen. „Nichts!“ Besonders erinnert sich die Kellnerin an einen Koch. „Der war unhygienisch. Vor dem hat mich gegruselt.“ „Ich hab’ ihm 2500 Euro für die Stromrechnung geliehen. Als Sicherheit hätte ich einen Rasenmähertraktor bekommen sollen, gekriegt hab’ ich einen Kaufvertrag“, erzählt ein Dritter.
Für den Ankläger steht fest: „Ein Bild, wie da gefuhrwerkt wurde.“ Im März geht der Prozess in die nächste Runde.






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