Gleichzeitig wurde die Zahl der anhängigen Verfahren gegen bekannte Täter von 361 auf 289 gesenkt, die durchschnittliche Dauer für Ermittlungsverfahren betrug - nur - 2,2 Monate. Diese Bilanz wurde am Mittwoch in einem ersten Pressegespräch unter Barbara Haider, seit März vergangenen Jahres Leiterin der Anklagebehörde, gezogen.
Auch das kommende Geschäftsjahr lässt keinen Rückgang der Aktenzahlen erwarten. Große "Brocken" dabei sind u.a. die Prüfung einer allfälligen Berufung gegen die Urteile im Tierschützer-Prozess und ein monatelanges Verfahren in der Betrugscausa "Eurofinanz" (Anlagebetrug mit 900 Geschädigten und 37 Mio. Euro Schadenssumme). Ziel sei es weiterhin, den "österreichweit vorbildlich" niedrigen Stand an offenen Verfahren zu halten bzw. wenn möglich weiter zu senken.
Wie Mediensprecher Erich Habitzl ausführte, fielen im Vorjahr 3.323 Verfahren gegen bekannte Täter an, der bisherige Höchstwert lag 2010 bei 3.238. Dazu kamen 8.056 Verfahren gegen unbekannte Täter (2010: 8.666). Die Zahl der Rechtshilfeverfahren blieb annähernd gleich, Erhebungen für die Zuständigkeiten der Bezirksgerichte stiegen um 186 auf 16.069. Die Ermittlungstätigkeit umfasste u.a. Anordnungen zu 222 Sicherstellungen und 176 molekular-genetischen Untersuchungen. Eingebracht wurden 207 Anklageschriften, davon sieben für Geschworenen-, der Rest für Schöffengerichte.
Im Durchschnitt bearbeitete damit jeder Staatsanwalt 25 Verfahren monatlich, sprach Habitzl von einer Ist-Leistungszeit von 180 Prozent - der bundesweite Durchschnitt liege bei 120 Prozent, im Sprengel der Oberstaatsanwaltschaft Wien bei 125 Prozent.
Gerade bei Gewaltdelikten seien rasche Verfahren im Interesse der Opfer ein Anliegen, betonte Haider. Bei den Kapitalverbrechen handelte es sich überwiegend um Beziehungstaten, nannte sie exemplarisch den Mordversuch auf der Rax, den (noch nicht verhandelten) "Eisdielenmord" in Wiener Neustadt und den im Gang befindlichen Prozess gegen einen 60-Jährigen, der laut Anklage seine Frau erstickt und ihre Leiche in Rumänien vergraben hat. Binnen 48 Stunden war es möglich, die Leiche zu finden, betonte Haider die gute Zusammenarbeit - neben dem Landeskriminalamt - mit ausländischen Justizbehörden.
Eine Steigerung gab es auch im Bereich Internetkriminalität. Diese Verfahren weisen regelmäßig einen Auslandsbezug auf, in vielen Fällen ist die Ausforschung der ihre Identität verschleiernden Täter nicht möglich. Haider warnte daher vor den enormen Risiken, etwa Mails von Lotteriegewinnen oder Erbschaften Glauben zu schenken.






