VON PETER GRUBER
Es gibt sie noch – jene Trainer, die mit Scheuklappen durch den Fußballalltag gehen. Wiener Neustadts Peter Stöger will keiner davon sein. Er wagt auch den Blick zur Seite und sucht abseits des Kerngeschäfts nach Anregungen und Ideen.
„Nur 30 Prozent können Qualität voll abrufen“
So auch beim Kurztrainingslager im Loipersdorfer Hotel Stoiser, wo den Neustädter Kickern einiges an Abwechslung geboten wurde. Für den Körper etwa mit einer Einheit „Zumba“, einem Tanz-Fitness-Programm mit Wurzeln in Lateinamerika. Für den Geist durch Gespräche mit dem erfolgreichen Sportpsychologen Walter Oberlechner. „In diesem Bereich ist noch sehr viel Potenzial vorhanden. Die Spieler profitieren in ihrer Persönlichkeitsentwicklung enorm“, meint Stöger. Er kennt Oberlechner von der Trainerausbildung, arbeitete auch für seine Diplomarbeit mit dem Tiroler zusammen.
Oberlechner war schon bei Hypo Niederösterreich, bei Ried, Rapid, mit Josef Hickersberger beim Nationalteam und bei den österreichischen Skispringern tätig. Sein Zugang im Fußball: „Ich glaube, dass 80 Prozent der Fußballer gleich stark sind. Nur 30 Prozent können ihre Qualität aber voll abrufen, der Rest steht sich oft selbst im Weg.“
Glaube an Intelligenz und Eigenverantwortung
In Gesprächen mit den Spielern versucht er, ein Bewusstsein für Stärken und Schwächen zu schaffen. Oberlechner glaubt an die Eigenverantwortung und Intelligenz der Spieler und will sie auch für Dinge abseits des Sports begeistern. „Ein Spieler, der nicht über Intelligenz verfügt, kommt gar nicht in die Bundesliga. Allerdings tun sie zwischen den Trainings nichts dafür. Zehn Stunden Gehirntätigkeit pro Tag wären ideal.“ Geistige Ausgeglichenheit und Offenheit würden sich auch positiv auf die Leistung auf dem Platz auswirken. Den Spielern falle es dann auch leichter, Strategien zu entwickeln, mit Leistungsdruck, Kritik und Versagensängsten umzugehen.
Oberlechner ortet bei den jungen Trainern wie Stöger mehr Bereitschaft, über den Tellerrand zu blicken. „Das ist einfach eine neue Generation.“ Früher hätten Trainer vielseitig interessierte Spieler auch schon mal geschnitten.
In Wiener Neustadt überlegt man jetzt, auch während der Meisterschaft mit dem Sportpsychologen zusammenzuarbeiten.






