VON PETER GRUBER
Eher unwirtlich ist es Mitte Jänner im nordkanadischen Yukon Territorium. Wo derzeit die 12. Fulda Challenge stattfindet, sind minus 30 Grad schon lauschig – auch minus 50 sind möglich. Saukalt, würde man meinen, „reizvoll“ meint Martin Zach. Nach Vorjahressieger Florian Grasel ist dessen Bergkamerad der zweite Wiener Neustädter, der die Qualifikation für den Extrem-Bewerb geschafft hat.
Gemeinsam mit der Kärntnerin Angelika Hohenwarter – einer professionellen Mountainbikerin – stellt er sich dem arktischen Zehnkampf mit Disziplinen wie Halbmarathon, Schlittenziehen und Schneeschuh-Rennen. Ausdauer, Schnellkraft und Geschick sind vonnöten – und ein Paar warme Handschuhe. Mit der NÖN plauderte Zach einen Tag vor der Abreise noch bei einer gemütlichen Tasse Kaffee über die Herausforderung.
NÖN: Ein Zehnkampf bei minus 40 Grad – das müssen Sie mir schon erklären.
Martin Zach: Voriges Jahr waren es minus 53… Mein Freund und Bergkamerad Flo Grasel hat da gewonnen. Ich habe ihn einfach unheimlich um diese Erfahrung beneidet.
NÖN: Neid? Auf Sport bei diesen Bedingungen?
Zach: Das ist ja gerade das Reizvolle. Es geht um die Erfahrung, wie der Körper in so einer Situation reagiert. Solche extremen Verhältnisse kriegt man bei uns halt nicht zusammen.
NÖN: Ich würde meinen Gott sei Dank.
Zach: Das sehen wir dann eher umgekehrt.
NÖN: Haben Sie ähnliche Erfahrungen schon gemacht?
Zach: Es ist auch für mich etwas Neues. Im Mai bei einer Glockner-Besteigung haben wir einmal den Weg verloren – 24-Stunden-Schneewanderung und eine Nacht im Zelt inklusive. Da kann?s auch kalt werden.
NÖN: Neigen Sie sportlich auch sonst zum Extrem?
Zach: Ich betreibe jedenfalls sehr viel Sport: Bergsteigen, Trailrunning, Klettern, Eisklettern, Skitouren.
NÖN: Ein bisschen in der warmen Halle kicken und danach gemütlich auf ein Bier gehen, ist keine Option?
Zach: Nein, Fußball sicher nicht – wenn ich mich schon verletzte, möchte ich wenigstens selber daran schuld sein. Es muss auch die Natur sein. Natürlich nicht immer bei diesen Temperaturen, aber man kann sich ja was anziehen.
NÖN: Sie sind Amateur-Sportler. Geht sich das zeitlich aus?
Zach: Naja, man muss halt immer wieder Urlaub zusammensparen.
NÖN: Ihre Partnerin kennen Sie seit der Quali. Zu wenig Zeit, um sich aufeinander einzustellen?
Zach: Wir sind beide unkompliziert. Weil sie Mountainbike-Profi ist, hatten wir kaum Zeit gemeinsam zu trainieren. Aber wir haben viel telefoniert und uns abgestimmt.
NÖN: Welchen Mehrwert hoffen Sie aus der Fulda Challenge zu ziehen?
Zach: Die Reise ist schon ein Gewinn. Diese Gegend sieht man ohne enormen finanziellen Aufwand nie.
NÖN: Ist der Event noch zu toppen?
Zach: Schwer. Aber im Juli geht?s mit Flo Grasel nach Peru auf den Alpamayo.
DIE FULDA-CHALLENGE
Der „arktische Zehnkampf“ erfordert Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit. Erschwerend kommen Temperaturen bis -50 Grad hinzu. Das Programm:
1. Schneemobil-Rennen über den Summit Lake.
2. Schlittenziehen – Gewicht: 100 Kilogramm.
3. Cross-County-Skirennen – 20 Kilometer durch die Wildnis.
4. Helicopter Drop – einen Hubschrauber dirigieren und einen Reifen punktgenau abwerfen.
5. Ski Jöring – Slalom, gezogen von einem Auto.
6. Dawson City-Goldrausch-Lauf – Joggen in eisiger Nacht.
7. Offroad-Parcour – Autorennen über den Yukon.
8. Schneeschuh-Rennen auf dem „Top of the World Highway“.
9. Lumberjack-Contest – Baumstämme durchsägen.
10. Canyon-Überquerung – Seilklettern über den Miles-Canyon.






