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13.09.2011 | 00:00 |
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Der Kommissar als Mutmacher
Dr. Franz Fischler am Podium (daneben Moderator Kurt Vesely und Dr. Ewald Galle vom Lebensministerium): „Die Sache vertreten.“
ÖFFENTLICHER VERKEHR / Ex-EU-Kommissar und VP-Politiker Dr. Franz Fischler trat für Ybbstalbahn als „Hauptverkehrsschlagader“ ein. Ortschef verteidigte Radweg-Projekt.

VON STEFAN HACKL

WAIDHOFEN / Was wird er sagen? Wird er allgemein über Regionen oder konkret zum Ybbstal Stellung nehmen? Die Zuhörer im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Bruckwirts in Opponitz warteten gespannt auf die Worte von Dr. Franz Fischler. Der Ex-EU-Kommissar und ÖVP-Politiker enttäuschte die „Bahnfreunde“ am vergangenen Freitag nicht. Es gehe darum, die Ybbstalbahn zur „Hauptverkehrsschlagader“ zu machen, sagte er bei der von der Ybbstalbahn-Entwicklungsgemeinschaft (YEG) organisierten Podiumsdiskussion. Nostalgie sei zwar „schön und romantisch“, es brauche aber eine „attraktive, moderne Bahn“.

Den Zuhörern sprach er Mut zu („Stark machen kann Sie nur Ihr Zusammenhalt“) - und redete ihnen gleichzeitig ins Gewissen: „Versuchen Sie, so gut es geht, die Sache zu vertreten und nicht ein parteipolitisches Hickhack daraus zu machen. Damit kommen Sie nicht weiter.“

Genau an diesem „Hickhack“ hatten sich die - wenigen - ÖVP-Vertreter im Saal wie der Opponitzer Bürgermeister Leo Hofbauer sowie die Regionalverbands-Manager wie Hannes Pressl gestoßen. Noch bevor die erste Wortmeldung am Podium fiel, ließ die YEG einen Film mit alten Aufnahmen der Bahn vom Band laufen, in dem die ÖVP-Bürgermeister der Region als „Zerstörungskräfte“ der Bahn aufgelistet wurden. Dr. Harald Frey, Wissenschaftler von der Technischen Uni Wien, sprach die „Dummheit“ von Regionalpolitikern an, die sich auf die Bahntrasse stellen und einen Radweg fordern.

ÖVP-Hofbauer kontert:  Nicht um jeden Preis!

Der Opponitzer Ortschef Hofbauer hatte daraufhin wenig Lust auf eine Diskussion. In kleinem Rahmen kam es aber dann doch zur Annäherung zwischen Bahnaktivisten und den Vertretern der Initiative „Pro Ybbstalradweg“ sowie den Radweg-Planern. Wer in Dialog treten wolle, müsse zu einem Kompromiss bereit sein, sagte Pressl: „Man wird sich auch auf ein anderes Verkehrsmittel konzentrieren dürfen.“ Hofbauer ergänzte, dass ein „Bahnbetrieb und ein Radweg“ mitunter die Ideallösung sei, aber: „Nicht um jeden Preis! Um einen Radweg, der nicht auf die Bahntrasse zugreift, zu verwirklichen, müsste man Bauern enteignen. Dagegen verwehre ich mich.“ Peter Harlacher („Pro Ybbstalradweg“) wiederum stellte infrage, dass „die Bahn alleine den Tourismus belebt. Der Radweg würde die Lebensqualität der Bevölkerung vor Ort massiv erhöhen.“

Fischler hatte zuvor einen Ausweg aus der Pattstellung zwischen Bahnfreunden und Gemeinde- bzw. Landespolitik skizziert: Förderprogramme der EU würden bald starten, die rein auf private Initiative fußen.

Der ehemalige Bürgermeister von Naturns in Südtirol, Dr. Walter Weiss, der gemeinsam mit zwei Amtskollegen ein Dutzend anderer Ortschefs vom Wiederaufbau der Vinschgaubahn überzeugt hatte, beharrte indes darauf: „Das muss in der Region entschieden werden.“ Er würde jede Wette eingehen, dass die Bahn nicht wegkomme, so Weiss. Die Faktenlage bleibt unterdessen unverändert: Der Auflassungsbescheid für die Ybbstalbahn wird noch im September erwartet. Im Regionalverband gibt es einstimmige Beschlüsse für das Mobilitätskonzept. Angepeilter Radwegbaubeginn: 2012.






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