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12.10.2010 | 00:00 |
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Bewegende Sakralmusik
Kammerorchester und Cantores Dei in der Basilika: seit vielen Jahren ein aufeinander abgestimmter Klangkörper.CROSS-PRESS.NET
KIRCHENKONZERTE / Cantores Dei Allhartsberg und Kammerorchester Waidhofen begeisterten in der Basilika Sonntagberg mit zwei französischen Sakralwerken.

VON HUBERT BAUERNHAUSER

BEZIRK / Mit zwei in jeder Weise fulminanten Kirchenkonzerten in der Basilika Sonntagberg (9.10.) und in der Stiftskirche Seitenstetten (10.10.) begeisterten heimische Spitzenensembles zusammen mit zwei internationalen Vokalsolisten unter der Leitung von Wolfgang Sobotka mit Gabriel Faurés „Requiem“ und Francis Poulencs „Gloria“ zahlreiche Musikfreunde aus nah und fern.

Wiederum hat sich gezeigt: Cantores Dei und das Waidhofner Kammerorchester sind seit vielen Jahren ein aufeinander abgestimmter Klangkörper, dem die Musikfreunde viele schöne und ergreifende Kirchenkonzerte zu verdanken haben. Das ist sicherlich in erster Linie ein Verdienst zweier Musikerpersönlichkeiten.

Anita Auer ist eine sehr erfahrene und zielstrebige Chorleiterin, die in intensiven Proben und herausragenden Konzerten ihren Chor zu einem Ensemble mit Stimmkultur und Stilempfinden geformt hat. Und auch das Waidhofner Kammerorchester brachte unter der federnden und vitalen Zeichengebung durch den Dirigenten Wolfgang Sobotka sein beeindruckendes Potenzial an instrumentaler Gediegenheit und klanglicher Delikatesse sehr selbstbewusst zur Geltung. Alle Instrumentengruppen gaben dabei ihr Bestes: seidig weich die Streicher, duftig-subtil das Holz, von weicher Eleganz bis zum Schmettern das Blech. Alles fügte sich unter Sobotkas zwingendem Dirigat zu einem musikalisch ergreifenden Gesamtbild.

Faurés „Requiem“:  kontemplativer Charakter
Allzu selten erklingt bei uns Faurés berühmtestes Werk: das „Requiem“. Das ist schade, enthält doch gerade dieses Werk eine Fülle an musikalischen Schönheiten und ergreifenden Gestaltungsmomenten. Die musikalischen Protagonisten haben der Interpretation jenen sakralen, innigen und kontemplativen Charakter zukommen lassen, der ihm gebührt. Die Wiedergabe war von einer Delikatesse, Dichte und Empfindungstiefe, die keinen Wunsch offen ließ.

Alle sieben Sätze bewegten sich beständig im vielfach differenzierten Piano-Bereich und waren auf hauchzarten, filigran gewirkten Vokal- und Instrumentallinien ausgespannt. Chor und Orchester wuchsen gleichsam über sich hinaus. Vokale Glanzpunkte waren die Soli der beiden Sänger. Der gebürtige Ybbsitzer Matthias Helm wusste seinen noblen Bariton mit hoch sensibler und fein differenzierter Gestaltung seines Parts einzubringen. „Hostias et preces tibi“ und „Libera me, Domine“ waren zutiefst bewegende Beispiele sakraler Gesangskunst. Und Rosina Bacher - sie stammt aus Lunz am See - stattete das volksliedhaft schlichte „Pie Jesu“ mit allen Ingredienzien perfekter Stimmkunst aus.

Poulencs „Gloria“:  tanzender Lobpreis Gottes
Von ganz anderem Zuschnitt war darauf Francis Poulencs „Gloria“ für Sopran, gemischten Chor und Orchester, das in seiner Faktur zu Faurés „Requiem“ geradezu einen erschütternden Gegensatz darstellt. Cantores Dei, Kammerorchester und die Solistin ließen diesem selten gespielten Werk mit lustvollem Esprit zeitlose Frische, Klarheit und Charme angedeihen, wie man das von einem Sakralwerk nicht unbedingt voraussetzen durfte.

Das ist eine Musik, der man zuhören muss, auf die es sich einzulassen gilt. Sie biedert sich nicht an und ist gekennzeichnet durch einen ruhigen, melodischen Fluss, klar im Stil, bunt und schillernd in ihrer Konzeption. Auch dieses Werk war von Sobotkas Handschrift geprägt. Chor und Orchester folgten ihm willig bei der Auffächerung dieser mitunter oszillierenden und changierenden Partitur mit ihren rhythmischen Kanten und harmonisch-melodischen Extravaganzen.

Sänger und Instrumentalisten legten dabei eine Bewährungsprobe ihres Könnens ab, die ihnen das beste Zeugnis ausstellt, so präzise in der deklamatorischen Klangrede gestalteten sie dieses heikle Werk. Die Sänger, in allen Stimmgruppen ausgeglichen und intonationssicher, beeindruckten mit samtigem Ton in den leisen Passagen, ließen aber im Forte kernige Kraft auftrumpfen. Alles wurde gemeistert, sei es die kantige Rhythmik, die dissonanzreichen Akkorde oder die gefährlichen Modulationen.

Alles in allem: ein fröhliches Gottesbekenntnis. Ein Sonderlob gebührt der vortrefflichen Sopranistin Rosina Bacher, die bei ihren Soli im „Domine Deus“ und ganz besonders im „Qui sedes“ substanziellen Wohllaut in Hülle und Fülle verströmte. Nach Sekunden der Ergriffenheit gab es für diese kirchenmusikalische Sternstunde lang anhaltenden Applaus.






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