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01.02.2012 | 00:00 |
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Die Launen der Natur…

DOPPELKÖPFIGES KALB / Missbildungen bei Tieren sind gar nicht so selten wie derzeit aufgrund eines aktuellen Falls berichtet wird.

BEZIRK ZWETTL / Mitte Jänner kam in Eferding (OÖ) ein zweiköpfiges Kalb zur Welt, das aber nicht lange überlebte. In zahlreichen Medienberichten hieß es, dass es ein derartiges Ereignis zum letzten Mal 1906 in Österreich gegeben hätte. Dem ist aber nicht so. Eine Missgeburt bei Tieren kommt gar nicht so selten vor.

1972 etwa kam bei Engelbert Wiesmüller in Sitzmanns bei Groß Gerungs ein doppelköpfiges Kälbchen zur Welt. „Die Geburt verlief eigentlich problemlos, sie war nur um zwei Wochen früher als geplant“, so der 77-jährige Altbauer. Gemeinsam mit seinem Nachbarn, einem Freund und der Schwester holten sie das Kälbchen auf die Welt und waren völlig perplex: Es hatte zwei Köpfe! Während sich die Kuh rasch von den Strapazen erholte, starb das Kalb einen Tag später.

Genetische Defekt kommen  immer wieder vor

Der damalige Tierarzt in Schweiggers, Evangelos Dourakas, ließ sich den Doppelkopf präparieren. Dieser hängt noch heute in der Praxis, die mittlerweile Sohn Stamatios Dourakas führt. „Das Tier hatte schwere Orientierungsprobleme und konnte sich auch nicht selbstständig auf den Beinen halten“, erinnert sich Dourakas, der sich mit dem Präparat auch für ein Foto für die NÖN zur Verfügung stellte. „Vermutlich aufgrund der vier Augen, die das Gehirn überforderten. Und trotz des sonst völlig normalen Körperbaus überlebte das Tier damals nur 24 Stunden.“ Nähere Untersuchungen dazu hat es früher noch nicht gegeben, aber Dourakas Sohn Stamatios meint, dass es möglicherweise doch immer wieder den einen oder anderen Fall für solch einen genetischen Defekt gegeben hat, dieser aber nicht registriert wurde.

Das bestätigt der Zwettler Tierpräparator Gerhard Blabensteiner: „Ich bin jetzt 30 Jahre in Zwettl und habe schon sehr häufig Missbildungen präpariert – zusammengewachsene Hühner, ein Katze mit zwei Hinterteilen, zwei Schwänzen und vier Hinterbeinen und auch einige doppelte Kälberköpfe.“ Extrem sind dem Präparator Missbildungen nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl aufgefallen, wobei er speziell nach solchen gesucht hat. Ein doppelköpfiges Kalb hat Blabensteiner zum Beispiel auch für den Zwettler Fleischhauer Ferdinand Klinger in den 80er-Jahren präpariert. „Das Kalb stammte aus Kleinschönau“, so Klinger, der das Präparat noch immer besitzt.

Im Zwettler Schulturm, wo diverse ausgestopfte Tiere zu sehen sind, gibt es ebenfalls ein derartiges Präparat. Das Exponat ist mit „Nieder Neustift 11.IX.1933“ beschriftet. Walter Hovorka, der wissenschaftliche Leiter bei der Neuaufstellung der Sammlung, schrieb dazu: „Siamesische Zwillinge entstehen durch unvollständige Doppelbildungen und sind miteinander verwachsen. In günstigen Fällen können beide Individuen erfolgreich operativ getrennt werden.“


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