Erstellt am 19. Mai 2016, 09:16

von Walter Fahrnberger und Elisabeth Schuster

Aufregung um "blaue Pfarre" Hürm. Pro-Freiheitliche Berichte auf der Pfarr-Homepage in kleiner Gemeinde Hürm (Bezirk Melk) sorgten für Unmut. Webmaster versteht Kritik nicht.

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Es war ein Artikel auf profil.at, der die Gemeinde Hürm unter dem Titel "Norbert Hofers blaue Pfarre: Kirchenwebsite macht Stimmung“ ins „rechte“ Licht rückte. Auslöser für den Bericht waren politische Medienberichte zur Bundespräsidentenwahl auf der Homepage der Pfarre.

Dort war zu lesen, dass FPÖ-Kandidat Norbert Hofer der geeignetere Bundespräsident sei. Alexander Van der Bellen hingegen wurde unter anderem als „Symbolfigur für die Kultur des Todes“ bezeichnet, weil er bzw. die Grünen jahrzehntelang die Abtreibung auf Krankenschein gefordert hätten und für die Einführung der „Tötungspille“ (Anm. der Redaktion, gemeint ist die Pille danach) seien.

Pfarrer: "Ich will keine Politik auf der Pfarrhomepage“

Verantwortlich für den Inhalt auf der Web-Seite ist Johann Hollaus aus Hürm. Der Organist betreut auch die Pfarrhomepage. Die Kritik an den politischen Einträgen kann er jedoch nicht verstehen. „Die Unterseite Bundespräsidentenwahl war als Serviceleistung zur Unterscheidung der beiden Bewerber aus christlicher Sicht gedacht. Der Profil-Artikel ist manipulativ aus rein linker Denkweise geschrieben. Die Aufrufe von vielen Bischöfen, sich als Christ in die Gesellschaft einzubringen, soll damit verwirklicht werden, auch wenn es manchen nicht passt“, verteidigt sich Hollaus.

Der Hürmer Pfarrgemeinderat, allen voran Pfarrer Franz-Xaver Hell, distanzieren sich von den Inhalten auf der Homepage: „Ich will keine Politik auf der Pfarrhomepage“, erklärt der Pfarrer, der die Causa auch bei seiner Sonntagspredigt thematisierte.

Der Webmaster und Domaininhaber will hingegen nicht gelten lassen, dass es sich bei www.pfarre-huerm.at . um eine öffentliche Seite handelt. „Die Pfarre Hürm hat in den fast zwölf Jahren des Bestehens sehr wenig inhaltlich und keinen Cent finanziell beigetragen“, erklärt Hollaus.

Neue Homepage für die Pfarre ist online

Laut Pfarrer Hell ist es nicht der erste Streit zwischen der Pfarre und dem Organisten. Schon öfters wurden gesellschaftskritische bzw. politische Meinungen online gestellt. „Die Wahlwerbung war dann nur mehr das Tüpfelchen auf dem i.“ Deswegen hat der Pfarrgemeinderat beschlossen, nun eine neue Homepage einzurichten. Die offizielle Website der Pfarre Hürm ist ab sofort unter pfarre.kirche.at/huerm abrufbar. Und nach der Aufregung wurden mittlerweile aber auch die politischen Einträge auf der „alten“ Homepage der Pfarre gelöscht.

Kein Verständnis für die politischen Beiträge auf der Pfarrseite hat auch Hürms Bürgermeister Johannes Zuser (ÖVP). „Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Nur auf die Plattform und die Auswirkungen sollte man im Vorfeld achten. Die Pfarrhomepage ist nicht dazu da, um persönliche Meinungen kundzutun“, sagt Zuser.

Hürm bis dato in "schwarzer Hand"

Die Gemeinde Hürm ist übrigens bis dato ganz und gar nicht als „blaue“ Gemeinde in Erscheinung getreten. Im Gemeinderat sitzen 18 ÖVP-Mandatare und einer der SPÖ.

Beim ersten Wahlgang zur Bundespräsidentenwahl erhielt FPÖ-Kandidat Hofer mit 39,7 Prozent einen durchschnittlichen Wert. Andreas Kohl kam als Zweiter auf 24,5 Prozent. Van der Bellen erhielt 10,6 Prozent der Stimmen.