Erstellt am 18. Oktober 2016, 05:00

von Markus Glück

Ende der Euphorie: Biogas-Anlagen droht das Aus. Am Jahresende laufen erste gesicherte Einspeistarif-Verträge aus. Damit sind Anlagen vom Zusperren bedroht.

Der Kirnberger Robert Wieser junior betreibt eine Biogasanlage in Ranitzhof. Die Abwärme der Anlage nutzt Wieser im Geflügelbetrieb.  |  Gleiß

Im Jahr 2003 herrschte bei den Landwirten Aufbruchstimmung: Eine Förderung verlockte viele dazu, in Biogasanlagen für die Stromerzeugung zu investieren. Zusätzlich sollten die Anlagen mehrere Probleme auf einen Schlag lösen. So sollte die Veredelung zu Biogas und Ökostrom die Mais-Preise aus dem Keller holen und die Überproduktion in der Landwirtschaft sinnvoll abgefangen werden.

Mit den Betreibern wurde ein Einspeistarif von 14,5 Cent pro Kilowattstunde für 13 Jahre vereinbart. Preisspekulationen und damit verbundene Preisexplosionen für eine Tonne Nassmais haben gemeinsam mit gestiegenen Dieselpreisen die Kalkulation bis heute aber gehörig ins Wanken gebracht.

„Die Erwartungen waren andere. Die Strompreise haben sich nicht so entwickelt, wie es prognostiziert wurde.“

Robert Wieser jun., Betreiber

Mit Ende des Jahres laufen die Verträge mit den fixen Einspeistarifen bei den ersten Biogasanlagen im Bezirk, von denen es zumindest acht Anlagen gibt, aus. Durch einen sehr schlechten Nachfolgetarif droht den Biogasanlagen nun das Ende. Robert Wieser jun. aus Kirnberg ist Teil der Arbeitsgemeinschaft Kompost- und Biogasanlagen in Niederösterreich. „Die Erwartungen waren vor 13 Jahren andere. Die Strompreise haben sich nicht so entwickelt, wie es prognostiziert wurde“, stellt Wieser klar.

Bereits seit drei Jahren wird mit dem Bund über einen Nachfolgevertrag verhandelt. Kommt es zu keiner baldigen Einigung, sind die Auswirkungen laut dem Biogasanlagen-Betreiber fatal: „Wenn nichts passiert, stehen faktisch alle Anlagen still. In der Landschaft würden dann Ruinen herumstehen.“

Er wünscht sich eine Verlängerung der Förderung für effiziente Anlagen. „Wir brauchen noch einen Vertrag für sieben Jahre, damit wir uns an die deutsche Szene anpassen können“, so Wieser.

Beim Wirtschaftsministerium erklärt Pressesprecher Johann Drabek auf NÖN-Anfrage, dass die Lösung der Biogas-Problematik ein wesentliches wirtschafts- und energiepolitisches Anliegen ist. Daher lautet der Vorschlag des Bundesministeriums, dass für Biogasanlagen, die auf die effizientere zweite Generation aufgerüstet werden, neue Nachfolgetarife mittels Verordnung erlassen werden sollen.

Ministerium arbeitet an Nachfolgetarifen

„Um sicherzustellen, dass eine gewisse Anzahl von Anlagen den höheren Tarif in Anspruch nimmt, soll auch ein neues Förderkontingent für Biogas-Nachfolgetarife im Ökostromgesetz verankert werden“, erklärt Drabek.

Für die anderen Biogasanlagen wird eine Stranded-cost-Lösung angestrebt, um einen geordneten Ausstieg aus dem System zu ermöglichen. Sprich: Es wird sowohl neue Nachfolgetarife als auch die Möglichkeit einer Abfindung für derzeitige Betreiber von Biomasse-Anlagen beschlossen werden.

Derzeit laufen intensive Verhandlungen über Begutachtungsentwürfe. Drabek: „Ziel ist es, diese Regelung noch heuer gesetzlich zu beschließen.“ Für die ambitionierte Lösung wird aber nicht nur die Zustimmung des Koalitionspartners gebraucht, sondern auch eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Nationalrats.