Erstellt am 26. Juli 2016, 05:00

von Walter Fahrnberger, Markus Glück und Pia Kaltenbrunner

Hype um Pokémon Go: Kein Spielen in der Stiftskirche. Auch im Bezirk sind Jugendliche und Erwachsene auf der Suche nach Pikachu & Co. In der Stiftskirche ist das Spielen untersagt.

Patrick Lindner (v. l.), Lukas Temmel, Lisa Sirlinger und Christian Prandstätter auf der Suche nach Pokémon in Neumarkt  |  Pia Kaltenbrunner

Sie wundern sich, warum derzeit Dutzende Jugendliche mit Blick auf ihre Smartphones durch den Bezirk wandern? Die Erklärung ist einfach: In der Region ist dank des Smartphone-Apps „Pokémon Go“ das Pokémon-Fieber ausgebrochen.

Revival nach zwanzig Jahren

Die App ist seit Ende letzter Woche in Österreich im Google Play Store oder im App Store erhältlich und seither fixer Bestandteil der Ferienbeschäftigung der Jugendlichen.
Nach zwanzig Jahren erleben die Taschenmonster damit ein Revival. Diesmal aber nicht auf dem Gameboy, sondern als App, die erfolgreich das Prinzip der „augmented reality“ umsetzt (eine computerunterstützte Erweiterung der Realität).

Konnten früher Pikachu und Co gemütlich auf der Wohnzimmer-Couch gefangen werden, muss der Spieler jetzt durch die reale Welt laufen, um Pokémon mit Hilfe von Pokebällen zu fangen. Sobald man auf ein Pokémon trifft, sieht man dieses durch die Handykamera in realer Umgebung. Denkmäler und andere Sehenswürdigkeiten sind bei diesem Spiel Arenen, die es durch Kämpfe gegen andere Spieler zu erobern gilt. Zusätzlich muss man nach Poke- Stops Ausschau halten, wo es verschiedene Geschenke abzusahnen gilt.

Einer, der dem Pokémon-Fieber ebenso verfallen ist, ist der Melker SP-Stadtrat Jürgen Eder: „Meine beiden größeren Kinder haben das Spiel runtergeladen. Als die Kleinste auch spielen wollte, kam ich mit dem Spiel in Berührung.“ Seither sucht der Außendienstmitarbeiter zwischen den Terminen Pokémon. „Es ist unglaublich, wo man diese überall findet“, so Eder.

Für den Stadtrat hat das Spiel neben dem Spaß-Faktor auch einen weiteren positiven Effekt. „Meine 13-jährige Tochter ist momentan in einem Alter, wo die Kinder nicht ständig nach draußen gehen wollen. In den letzten Tagen waren wir aber bereits zweimal spazieren. In der Stadt sind wir dabei einigen Pokémon-Fans begegnet. Egal ob in der Altstadt ober beim Stift: Überall wimmelt es von den kleinen Monstern“, schmunzelt Eder. “

„Ich habe nichts dagegen, wenn die Tierlein im Prälatenhof oder im Stiftspark auftauchen, wenn die Spieler nicht in die Blumenbeete trampeln"

Martin Rotheneder vom Stift Melk

Das gefällt Martin Rotheneder vom Stift Melk nur bedingt: „Ich habe nichts dagegen, wenn die Tierlein im Prälatenhof oder im Stiftspark auftauchen, wenn die Spieler nicht in die Blumenbeete trampeln. Aber in privaten Räumlichkeiten oder in Sakralräumen ist es auf keinen Fall angebracht.“ Beim Probespiel, nachdem sich Pater Martin von zwei Jugendlichen „Pokémon Go“ erklären hat lassen, hat er ein „gelbes Schweinchen“ in der Stiftskirche am Kolomani-Altar entdeckt. „In diesen Räumen werden wir das Pokémon-Spiel nicht gestatten“, erklärt Pater Martin.

Österreichweit gab es bereits Probleme durch das Spiel bei Friedhöfen oder Gedenkstätten. Auch Unfälle sind beim Sammeln der Pokémon bereits passiert. Im Bezirk Melk ist der Polizei aber noch kein solcher Vorfall bekannt. Neben dem Spielespaß gibt es aber noch etwas Positives bei diesem Hype zu vermelden. Viele Jugendliche werden vom PC aus dem stillen Kämmerlein weggeholt und werden so in die Natur hinausgelockt.

„PokéWalk“ in Ybbs am kommenden Freitag

Lukas Temmel aus St. Georgen/Ybbsfeld spielt seit etwa einer Woche mit seinen Neumarkter Freunden und hat bereits 30 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. „Um hier erfolgreich zu sein muss man sich bewegen“, sagt Temmel. Auch die Loosdorfer Schülerinnen Marie Kienast, Lea Ertl und Jasmin Aigner waren in der Vorwoche in Melk, Loosdorf und St. Pölten jeweils sechs bis sieben Stunden unterwegs, um Pokémon zu fangen.

Vom Pokémon-Fieber getrieben, entstehen derzeit vielerorts zahlreiche Events, bei denen Nutzer gemeinsam auf die Suche nach den virtuellen Monstern gehen. Auch in Ybbs wird am kommenden Freitag ab 19 Uhr am Hauptplatz ein sogenannter PokéWalk stattfinden.

„Letzte Woche wollte ich in Scheibbs teilnehmen, es wurde aber verschoben wegen der Serverprobleme“, beklagt sich Christian Prandstätter aus Neumarkt. Einen ganzen Tag lang war das Spiel offline, durch den Andrang waren die Server überlastet. Die Entwickler von „Pokémon Go“ bemühen sich, die Startschwierigkeiten zu beheben und kündigten bereits einige Updates an:

In Zukunft werden Spieler auch außerhalb der Arenen in Echtzeit kämpfen können. Weiters wird es möglich sein, Pokémon mit anderen zu tauschen.
Wie lange der Hype überhaupt anhält, wird sich zeigen. Sowohl Pater Martin als auch Stadtrat Eder sind sicher, dass dieser bald wieder vorbei ist.

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