Erstellt am 03. Januar 2018, 05:00

von Claudia Christ

Zurück zu „alten“ Noten: Pädagogen gespaltener Meinung. Die von der Schwarz-Blauen Regierung geplante Rückkehr zur alten Notengebung spaltet die Meinungen der Pädagogen im Bezirk Melk.

Wenn es nach derneuen Regierung geht, gibt es künftig in derNeuen Mittelschulewieder fünf Noten zur Leistungsbeurteilung.Von „Sehr gut“ bis „Nicht genügend“ könnte dann wieder benotet werden.  |  NÖN/ Valentin Grill

Nach dem Motto „Altbewährtes wiederentdeckt“ will die neue Regierung in puncto Notenskala künftig handeln. Denn das im Schuljahr 2012/13 in den Neuen Mittelschulen eingeführte System mit insgesamt sieben Noten soll nun wieder aufgehoben werden.

Derzeit wird in der dritten und vierten Klasse der Neuen Mittelschule in Deutsch, Mathematik und Englisch zwischen „grundlegender“ und „vertiefter Allgemeinbildung“ unterschieden.

In der Praxis führt das System zu sieben Noten: Bei der vertieften Bildung reicht die Skala lediglich von „Sehr Gut“ bis „Genügend“, denn ein „Nicht Genügend“ in diesem Beurteilungsschema entspricht einem „Befriedigend“ nach „grundlegender Allgemeinbildung“. Die Beurteilung bei der „grundlegenden Allgemeinbildung“ reicht von „Befriedigend“ bis „Nicht Genügend“.

„Die verpflichtende Wiedereinführung der Noten eins bis fünf ist ein pädagogischer Rückschritt.“Pflichtschulinspektor Wolfgang Schweiger

Dazu kommen noch Beurteilungskriterien von A bis E bei Wiederholungen und Tests.

„Ich bin für die Wiedereinführung des alten Notensystems, denn das jetzige ist für Eltern und Schüler sehr verwirrend“, sagt Direktor Herbert Gruber von der Neuen Mittelschule Persenbeug. Grundvoraussetzung für den Pädagogen ist jedoch, dass in den Hauptfächern der zweite Lehrer im Klassenzimmer erhalten bleibt. „Denn nur so können wir optimal auf etwaige Schwächen der Schüler eingehen“, meint Gruber.

Direktor Manfred Neureiter von der NMS Melk ist ebenfalls ein Verfechter der „alten“ Notengebung, jedoch mit den beiden Unterscheidungen „grundlegend“ und „vertiefend“. Er arbeitete bereits vor 35 Jahren bei einem solchen Schulversuch in Graz mit und ist überzeugt: „Das ist für mich die beste Lösung, um die Schüler dort abzuholen, wo sie gerade stehen.“ Dabei wäre eine Einstufung für ihn ab der sechsten Schulstufe sinnvoll.

Wolfgang Schweiger: "Pädagogischer Rückschritt"

Als pädagogischen Rückschritt bezeichnet jedoch Pflichtschulinspektor Wolfgang Schweiger die verpflichtende Wiedereinführung der Noten von eins bis fünf. „Das missachtet die Autonomie der Schulen. Lernen ist ein Prozess und dieser braucht geeignete Formen der Rückmeldung.“

Viele Schulen im Bezirk haben die „Alternative Leistungsbeurteilung“ erprobt und verwendet. Dabei entstanden unterschiedliche Formen der Rückmeldung. Seit vergangenem Schuljahr ist eine „Alternative Leistungsinformation“ auch gesetzlich in den Volksschulen verankert. Die Schulpartnerschaft entscheidet dabei von der ersten bis zur dritten Klasse über die Form der Leistungsinformation.

„Die Umstellung des Schulsystems von der Hauptschule auf die Neue Mittelschule war und ist eine Herausforderung und bedarf Zeit“, betont Schweiger. Ziel ist es, dass die Schüler mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit entwickeln und das Schulsystem durchlässiger sein soll.

„Nach meiner Beobachtung kommen wir dem Ziel immer näher und die Arbeiten zeigen erste Früchte. Ein großer Anteil der Abgänger der NMS erreichen in allen Gegenständen eine vertiefende Beurteilung und sind so berechtigt, weiterführende Schulen zu besuchen“, sagt Schweiger.

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