Erstellt am 26. Oktober 2015, 05:32

von Elisabeth Schuster

Grünbrücke-Projekt: Mit vier Pfoten über die Autobahn. 4,5 Millionen Euro kostet Grünbrücke in Ybbs. WWF und ASFINAG sind vom Projekt trotz kritischer Stimmen voll überzeugt.

Rainer Kienreich, Geschäftsführer der ASFINAG Service GmbH (links) und ?Christian Pichler, Leiter des WWF-Schutzprogramms für Bär, Luchs und Wolf, zeigen die Baufortschritte an der Grünbrücke in Ybbs. Foto: Elisabeth Schuster  |  NOEN, Elisabeth Schuster

„Tue gutes und sprich darüber“. Mit diesen Worten eröffnete Rainer Kienreich, Geschäftsführer der ASFINAG Service GmbH, die Pressekonferenz zum Thema Grünbrücke in Bergland.

Die Kritik an der Sinnhaftigkeit des Bauwerkes im Vorfeld war Anlass für Erklärungen. Sogar die örtliche Jägerschaft hegte ihre Zweifel am Projekt – die NÖN berichtete darüber:



Die Kritik: Dem Jagdrevier bringe die Grünbrücke nichts. Denn selbst wenn das Wild hier sicher quere, seien gegenüber die Bundesstraße und die Westbahn neue Gefahrenquellen. Außerdem verschlingt der Bau der Brücke rund 4,5 Millionen Euro.

"Mobilität muss mit Ökologie einhergehen"

„Mobilität muss mit Ökologie einhergehen. Wir kommen mit der Grünbrücke unserer Verantwortung gegenüber den Arten und der Umwelt nach“, erklärt Kienreich bei der Pressekonferenz. Mit der Brücke wird ein Austausch geschaffen: Denn Autobahnen und Straßen sind nach wie vor ein unüberwindbares Hindernis für die Tierwelt. „Die Lebensraumzerschneidung bringt einen Artenverlust mit sich“, erklärt Christian Pichler vom WWF. Dadurch ist beispielsweise der Verlust an genetischer Vielfalt bedroht.

Erste Erfahrungswerte gibt es schon von einigen Grünbrücken in ganz Österreich. Fotoaufnahmen zeigen, dass die Brücke von unterschiedlichen Tieren wie Wildschweinen, Rehen und Füchsen überquert werden. Auch Rotwild nutzt die Überquerungshilfe.

16 Grünbrücken bis 2027

„Wir wollen wirtschaftlich sinnvoll handeln und Grünbrücken nur dort errichten, wo sie auch Sinn machen“, berichtet der ASFINAG-Geschäftsführer. Wohin Grünbrücken gebaut werden, entscheidet deshalb eine Studie des WWF.

Bis 2027 errichtet die ASFINAG insgesamt 16 Grünbrücken auf bereits bestehenden Streckenabschnitten. „Im November wird die Brücke in Ybbs der Ökologie und der Tierwelt übergeben werden“, informiert Kienreich.


Daten & Fakten

Nach sechs Monaten Bauzeit stellt die ASFINAG die Grünbrücke in der Gemeinde Bergland an der A 1 West Autobahn vor der Abfahrt Ybbs im November dieses Jahres fertig.

Mit dieser rund 60 Meter breiten Wildtierquerung wird der überregionale Hauptkorridor Kalkalpen-Tschechien, der durch die A 1 unterbrochen war, wieder geöffnet.

In Abstimmung mit den Behörden für Forst- und Naturschutz sowie mit der Jägerschaft bepflanzt die ASFINAG die Brücke mit Büschen, Bäumen und Sträuchern, die als Leitstrukturen dienen.

In den kommenden Jahren wird die ASFINAG entlang der A 1 drei weitere Wildtierquerungen umsetzen bzw. Grünbrücken errichten.

Alle zwei Jahre erfolgen durch die ASFINAG Autobahnmeistereien genaue Checks nach Experten-Vorgaben.