Erstellt am 18. Mai 2016, 04:04

von Claudia Christ

Debatte um Registrierkassenpflicht: Wirte gegen Vereine. Der Wirtschaftskammer sind manche Vereinsfeste ein Dorn im Auge. Debatte um Gemeinnützigkeit.

Registrierkassa »Ja oder Nein« - das war beim Pfingstfest der Feuerwehr in Ruprechtshofen kein Thema. Kellnerin Katrin Waxenegger servierte Hendl und Bier zum Wohle der Gemeinnützigkeit.  |  NOEN, Johannes Scherndl
Wirte gegen Vereine – die Registrierkassenpflicht, die ab 1. Mai dieses Jahres ihre Gültigkeit hat, sorgt auch im Bezirk auf beiden Seiten für Diskussionen. Gemeinnützige Vereine – wie Feuerwehr und Rettung – sind ja von der gesetzlichen Regelung ausgenommen, eine Registrierkasse zu führen.

Für alle anderen „nicht gemeinnützigen“ Feste von Parteien, Sport-, Blasmusik- und Schützenvereine gilt: Bei einem Jahresumsatz von mehr als 15.000 Euro netto pro Jahr und Barumsätze von mehr als 7.500 Euro muss es eine Registrierkasse geben. Gemeinnützig oder nicht: Diese Frage spaltet die Gemüter.

„Ich bin überzeugt, dass viele Vereine, die als gemeinnützig geführt werden, nicht gemeinnützig sind. Wir von der Wirtschaftskammer würden uns wünschen, dass die Finanzpolizei hier mehr Kontrollen durchführen würde, Handlungsbedarf würde auf alle Fälle bestehen“, sagt Franz Kandlhofer von der Wirtschaftskammer, Abteilung Finanzpolitik.

Vor allem die Anzahl der Feste von Jugendparteiorganisationen sind laut Mario Pulker, WK-Obmann der Fachgruppe Gastronomie, stark angestiegen. „Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Ein Plus von 16 Prozent bei den Vereinen steht einem Minus von neun Prozent bei den Dorfwirtshäusern gegenüber.“

"Registrierkasse für interne Zwecke"

5.000 Besucher kamen heuer von 15. bis 17. April zum Fest der Feuerwehr Kemmelbach. Registrierkassa ja oder nein, das ist für Kommandant Markus Kohlhuber schon seit längerer Zeit keine Frage mehr. „Wir haben schon seit vier Jahren eine Registrierkasse für unsere Kellner beim Fest, das ist rein für interne Zwecke“, berichtet er.

Problematisch wäre für den Kommandanten nur eine gesetzliche Vorschreibung für Kassen an sämtlichen verschiedenen Bars. „Wir haben beim Fest insgesamt acht Bars, das wäre administrativ für uns nicht zu bewerkstelligen.“

Grundsätzlich zeigt Kohlhuber aber Verständnis für die Kritik und Bedenken der Wirte: „Ich finde es auch nicht in Ordnung, dass sich Vereinsmitglieder mit dem Erlös ihrer Feste selbst vergnügen. Wir geben der Bevölkerung ja wieder etwas durch den Ankauf von Fahrzeugen und Geräten zurück.“

Dass auch Sportvereine und Blasmusikvereine etwas an die Bevölkerung zurückgeben, dieser Meinung ist Mario Schöner vom Organisationsteam des dreitägigen Alpenvorlandfestes des Sportvereines FC Leonhofen.

Kassa & Raucherschutz als Herausforderung

„Auch wir leisten mit unserer Nachwuchsarbeit einen wichtigen Beitrag für die Allgemeinheit, ohne unser jährliches Fest können wir den Verein nicht so führen, wie wir das jetzt tun.“

Wie er im kommenden Jahr das Fest organisieren will – mit Registrierkassa und Raucherschutzgesetz – das will sich Mario Schöner heute noch gar nicht ausmalen. „Sollte alles so bleiben, brauchen wir wegen der vermehrten Auflagen immer mehr Personal, um das Event überhaupt durchführen zu können.“

Rund 1.500 Besucher erwartet die Katholische Jugend auch heuer täglich am Parkfest, das von 29. bis 31. Juli in Artstetten über die Bühne geht. Registrierkassen gibt es hier aber nicht. „Denn wir fallen laut unserem Steuerberater unter das ‚kleine Vereinsfest‘ in die 48 Stunden-Regelung“, erklärt Stefan Holzer.

Für den Kassier der Katholischen Jugend Artstetten ist sein Verein sehr wohl gemeinnützig. „Unsere Statuten sehen das so vor, außerdem verwenden wir den Erlös des Festes wieder für allgemeine Veranstaltungen wie den Pfarrball, die Nikolausfeier und die Agape beim Erntedankfest.