Erstellt am 26. Januar 2018, 05:00

von Denise Schweiger

„Wahlzuckerl“ zur Landtagswahl im Check. Was ÖVP, SPÖ, FPÖ und die Grünen zum Landtagswahlkampf verschenken, nahmen die Werbe-Experten Birgit und Georg Zöchling aus Melk für die NÖN unter die Lupe.

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Die wohl klassischsten Wahlgeschenke? Kugelschreiber und Feuerzeug. Die dürfen natürlich auch im Landtagswahlkampf nicht fehlen – unter den vielen anderen Geschenken, die ÖVP, SPÖ, FPÖ und Grüne an potenzielle Wähler bringen. Aber was macht ein gutes Wahlgeschenk eigentlich aus? „Am besten sind alltagstaugliche Gegenstände, die die Linie der Partei inhaltlich sowie grafisch widerspiegeln“, meint Birgit Zöchling. Sie und ihr Mann Georg leiten die Melker Werbeagentur „büro sterngasse*“. Für die NÖN analysieren die Werbe-Experten Geschenke, die die Parteien beim Stimmenfang anbieten.

"Grat zwischen lustig und daneben ist schmal"

Als Werbe-
Experten nahmen Birgit und Georg Zöchling die Wahlgeschenke im Landtagswahlkampf genauer unter die Lupe.
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Star Wars-Fans unter den Grün-Wählern kommen – anders als das galaktische Wahlvideo der „Grünen-Rebellen“ vermuten lässt – nicht auf ihre Kosten. Ihre Wahlgeschenke sind klassisch: Mit Grüntee, Schoko-Sojabohnen, Flyer und einem Gewinnspiel wollen die Grünen punkten. „Ein solides Programm“, resümiert Georg Zöchling, der gut findet, dass die Kandidaten nur für den Wahl-Clip in die Star Wars-Welt eintauchen: „Ich hätte ihnen davon abgeraten. Der Grat zwischen lustig und daneben ist sehr schmal.“

Einen ähnlichen Ratschlag hätte er auch der SPÖ gegeben. Die umstrittene Plakatreihe von SP-Kandidaten Franz Schnabl ist für ihn ein ebenso zweischneidiges Schwert. Seine Frau sieht das ein bisschen anders: „Die Idee dahinter war vermutlich, den Kandidaten bekannt zu machen. Und das hat geklappt. Allerdings habe ich mit einer zweiten, seriöseren Plakatreihe gerechnet.“ Die Palette der SP-Wahlgeschenke ist bunt gemischt. Neben Lebkuchenherz, Kugelschreiber und „Schnabl-Tasse“ gibt es auch Schal und Haube. Die Auswahl ist für Georg Zöchling etwas zu unübersichtlich: „Es ist zwar für alle Altersklassen etwas dabei, aber mir fehlt ein bisschen die grafische Linie.“

Bei der FPÖ hingegen ist die Linie auf einen Blick erkennbar: Blaue Farbe, ein rotes Herz und das Wort „Heimat“ – diese Merkmale finden sich auf Kugelschreiber, Feuerzeug und Einkaufschip. „Ein eher schlankes Angebot an Geschenken, die aber im Alltag gebraucht werden“, resümieren die beiden.

Für die beiden Werbe-Experten gibt es klare Sieger bei der Geschenksanalyse: „Bei der ÖVP und den Grünen ist die Partei-Linie klar erkennbar.“  |  Schweiger

Bei dem großen Sortiment der ÖVP wird sofort klar: „Hier wurde ganz klar das meiste Budget investiert – das Ergebnis ist dafür sehr professionell.“ Jausenbrettl, Kartenspiel, Memory-Spiel und sogar Mikl-Leitners Hund „Milou“ als Plüschfigur. „Mit dem ‚Wir‘-Slogan und den Landesfarben zieht sich die Kampagne durch die Wahlwerbung und die Geschenke“, meint Birgit Zöchling.

Am Ende krönen die beiden die ÖVP zum Sieger der Analyse, dicht gefolgt von den Grünen. Bei der SPÖ fehlte ihnen die „rote Faden“, bei den Freiheitlichen mangelte es an Vielfalt.

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