Erstellt am 30. März 2016, 07:04

von Elisabeth Schuster

„Heute sind alle Menschen Belgier“. Während der Anschläge waren zwei Freundinnen aus dem Bezirk Melk in der Hauptstadt Brüssel.

Nach den Terroranschlägen gedenken zahlreiche Menschen den etwa 35 Todesopfern und rund 300 Verletzten. Ein Mann, gehüllt in die belgische Fahne, spiegelt die Trauer wider.  |  NOEN, PHILIPPE HUGUEN (AFP)
„Zu allererst habe ich meine Familie kontaktiert“, erzählt die Klein-Pöchlarnerin Katharina Steinwendtner. Seit September lebt die 26-Jährige in Brüssel. Dort arbeitet sie als Praktikantin im Europäischen Parlament.

Auf den 22. März – also vergangenen Dienstag – hat sich Katharina Steinwendtner schon lange gefreut. Denn ihre Freundin Katrin Schlöglhofer aus Pöchlarn kam zu Besuch. Ein Sightseeing-Tag war geplant. „Um 11 Uhr wollten wir beim Europäischen Parlament starten und dann weiter nach Saint Gilles und in die Innenstadt spazieren“, sagt Steinwendtner.

„Ich hatte die Anschläge immer im Hinterkopf.“
Katrin Schlöglhofer über ihren
Heimflug von Brüssel.

Doch aus dem entspannten Tag zweier Freundinnen wurde nichts. Es war Dienstagfrüh, kurz vor acht Uhr. Durch die belgischen Nachrichten im Internet erfuhren die beiden von der Explosion am Flughafen. „Mein Freund war zu dieser Zeit gerade auf dem Weg zur Arbeit im Europäischen Parlament. Wir haben uns noch kurz ausgetauscht und hofften, dass es keine Opfer gibt“, erzählt die 26-Jährige. Danach wurden SMS von Familien und Freunden beantwortet – „alles gut bei uns, wir sind nicht am Flughafen“.

x  |  NOEN, privat
Die Freundinnen saßen gerade beim Frühstück, als es die nächste Horror-Meldung gab: eine weitere Explosion in der U-Bahn Station Maelbeek, mitten im EU-Viertel. Eineinhalb Kilometer ist die Wohnung der Klein-Pöchlarnerin von der U-Bahn-Station entfernt. „Bei uns machte sich ein ungutes Gefühl breit, dass es sich bei den Explosionen um Terroranschläge handeln könnte“, sagt Steinwendtner.

Von da an läutete das Handy ununterbrochen. Wieder wurden Familie und Freunde über die aktuelle Lage informiert. Auch die 26-Jährige erkundigte sich bei Freunden und Kollegen aus Brüssel, ob alles in Ordnung sei. Das war es auch.

"Verfolgten Situation über Live-Ticker"

„Im Live-Ticker verfolgten wir die Situation und waren fassungslos. Die Bilder waren schwer zu ertragen.“ Ihr Freund war bereits in der Arbeit angekommen. Laut seinen Aussagen durfte niemand in das Parlament hinein oder hinaus. Für die Brüsseler-Bevölkerung galt es am aktuellen Standort bzw. in den Gebäuden zu bleiben. Denn ein Tatverdächtiger war noch flüchtig.

Das wirklich beunruhigende in diesem Moment? „Wir wussten nicht, ob noch weitere Anschläge geplant sind“, sagt die 26-Jährige. Die Freundinnen verwarfen ihre Tagespläne und blieben vorerst in der Wohnung. Steinwendtner erzählt von Hubschraubern und Polizeisirenen, die Nonstop heulten. Gegen 14.30 Uhr beschlossen die zwei hinauszugehen. „Die Stimmung auf der Straße war angespannt, aber die Cafés waren immerhin ein bisschen gefüllt.

Es schien, dass die Belgier dem Terror trotzen wollten. An dem berühmten Pommes-Stand ‚Maison Antoine‘ war die Schlange so kurz, dass wir uns kurzerhand auch anstellten. Eine Frau vor uns meinte: ‚Heute sind alle Menschen Belgier‘“.

"Bevölkerung möchte sich nicht einschüchtern lassen"

Nicht nur in Brüssel, sondern in ganz Belgien herrscht Staatstrauer. Auf den Straßen sind mehr Polizisten und Soldaten unterwegs als vor den Terroranschlägen. Noch immer wird nach Verdächtigen gesucht.
„Ich war am Tag nach den Anschlägen bei einer Schweigeminute an der Börse. Menschen legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Es war eine beeindruckende Stimmung. Die Bevölkerung möchte sich weder einschüchtern noch spalten lassen. Belgische Zeitungen titelten: ‚Dem Terror die Stirn bieten‘. Das hoffe ich inständig“, sagt die Klein-Pöchlarnerin.

Am Tag nach den Anschlägen ging der Rückflug der Pöchlarnerin Katrin Schlöglhofer nach Hause – allerdings von einem anderen Flughafen. „Der ganze Tag war, im Nachhinein betrachtet, sehr anstrengend und stressig. Im Shuttle-Bus zum Flughafen war die Stimmung angespannt“, erzählt Schlöglhofer. Angst hatte die 25-Jährige dennoch keine: „Ich war nur beunruhigt, dass Flüge gestrichen werden und ich somit nicht nach Hause komme. Obwohl ich mich eigentlich sehr sicher gefühlt habe, hatte ich die Anschläge immer im Hinterkopf.“