Erstellt am 15. März 2016, 04:19

von Franz Gleiß

Love Scamming: Liebesfalle Internet. Internet-Flirts haben immer wieder nur ein Ziel: Betrüger wollen ihren verliebten Opfern möglichst viel Geld abnehmen.

Die Ermittlungen der Polizeiinspektion Bad Pirawarth im Fall eines Internetbetruges führten zum Erfolg.  |  NOEN, Venutra/shutterstock.com

Sie lernten sich Anfang November über die Internetplattform "friendscout24" kennen - die 56-jährige Singlefrau aus dem Bezirk Melk und der Brite Jeffrey Brown. Der Gold- und Diamantenhändler eroberte das Herz seiner Angebeteten durch seine einfühlsame Art. Schon bald folgten Liebesschwüre.

An seiner Identität ließ er keinen Zweifel: Er schickte Dokumente und gewann so das Vertrauen seiner Angebeteten. Seine Bitte um finanzielle Hilfe für einen Goldkauf in Ghana lehnte die Frau dann nicht ab. Mehrmals überwies sie fünfstellige Eurobeträge auf Konten in Deutschland und Ghana. Insgesamt 31.000 Euro überwies die Frau. Ende Februar sollte dann das erste persönliche Treffen zustande kommen. Am Flughafen Schwechat erwartete die 56-Jährige die Ankunft ihrer Internetliebe mit dem Flug aus Ghana.

Mail von Polizisten

Die Maschine landete allerdings ohne ihren Jeffrey. Sie erhielt dafür eine Mail von einem Polizisten aus Ghana. Jeffrey Brown sei bei der Ausreise mit einem Goldbarren verhaftet worden. Für 18.000 Euro würde er freigelassen werden.

Diesen Betrag überwies die 56-Jährige dann nicht mehr. Sie ging vielmehr zur Polizei. Ihre Zweifel um die Echtheit der Geschichte räumten die Polizeibeamten schnell aus. Sie hatten sogar eine Bezeichnung für diese Art der Abzocke: Love Scamming („Liebesbetrug“).

Betrüger machen sich unverzichtbar

In ihren Profilen präsentieren sich Männer als Ingenieure, Architekten, Tierärzte oder Computerspezialisten. Frauen treten als Krankenschwestern, Ärztinnen oder Geschäftsfrauen auf. Sie alle machen sich im Leben ihrer Opfer mit Mails und Telefonaten unverzichtbar — und das ohne ein einziges Treffen.

Am Ende müssen die Scammer aus irgendwelchen Gründen nach Westafrika. Dort kommt es dann zu Schwierigkeiten und die Geldforderungen folgen. Oft bitten sie auch um Geld für eine BTA- oder PTA-Gebühr zur Ausreise. Diese Gebühr gibt es ebenso wenig wie die Person selbst.