Erstellt am 10. Mai 2016, 04:04

von Claudia Christ

Maturareise im Schatten der Terrorangst. Schüler und Eltern sind aufgrund der bestehenden Terrorgefahr in der Türkei verunsichert. Viele haben die Partyreise storniert bzw. umgebucht.

24 Stunden lang Party, Liveacts, Strand und jede Menge Alkohol - nach dem Prüfungsstress feiern tausende Maturanten jährlich mit X-Jam an der türkischen Rivera ihren Schulabschluss. Heuer trübt jedoch die Terrorgefahr etwas die Vorfreude.  |  NOEN, www.leisure.at
Die letzten Tests wurden geschrieben, nun liegt das Hauptaugenmerk der Maturanten auf der alles entscheidenden Prüfung: der Reife- und Diplomprüfung. Danach heißt es für die meisten: ab in den Süden mit organisiertem Partyspaß und Strandfeeling.

Auch Gloria Hermann fiebert mit ihren Mitschülern aus der Klasse 5B der HLUW Yspertal diesem Tag entgegen. Nur 16 der 30 Schüler jedoch nehmen an der Abschlussreise teil. „Viele Schüler und Eltern waren aufgrund der Terrorgefahr verunsichert“, berichtet die Maturantin. Ursprünglich wollten die Jugendlichen mit „Summersplash“ in der Türkei ihre neu gewonnene „Freiheit“ genießen.

Doch aufgrund der aktuellen Lage in der Türkei wurde umgebucht. „Wir werden jetzt in Bulgarien am Goldstrand unseren Abschluss feiern“, so Hermann. Auf den rund 170 Euro Stornokosten pro Person werden die Schüler aber sitzenbleiben. „Das nehmen wir jedoch in Kauf“, so die Schülerin.

Abwarten lautet die Devise bei den Abiturienten der IT-HTL Ybbs. Die Summersplash-Bucher hoffen auf eine offizielle Reisewarnung und entscheiden erst vier Wochen vor Abreise, ob sie die Reise antreten werden. Anders entschieden haben sich bereits die Maturanten der HAK Ybbs. Statt in die Türkei gibt es hier nun Partyspaß auf Kreta und in Spanien. Stornos gab es auch im Stiftsgymnasium Melk. Statt an die türkische Riviera geht es für die Maturanten nun nach Griechenland und Bulgarien.

"Türkei erlebt Einbruch beim Tourismus"

Jessica Steininger von Zwölfer Reisen in Melk hat heuer so viele Anfragen von Maturanten wie noch nie: „Die Türkei erlebt heuer einen totalen Einbruch beim Tourismus, das betrifft nicht nur die Maturareisen. Dass alle verunsichert sind, bemerken wir spürbar. Wir versuchen, so gut es geht, zu beraten und den Absolventen Tipps zu geben“, so die Reiseexpertin.

Eine Reise kann bei einem Reiseveranstalter normalerweise bis 30 Tage vor Antritt kostenlos storniert werden. Danach fallen Stornokosten an. Manche Reiseveranstalter stornieren kostenlos bei Gefahr.
„Selbstverständlich ist, dass im Falle einer offiziellen ,Nichtreiseempfehlung‘ für die Region ,Türkische Riviera‘ natürlich jedem Kunden ein kostenloses Rücktrittsrecht zusteht“, informiert Didi Tunkel, Gründer und CEO der Splashline.

Rund 20 Prozent Stornoquote muss der Partyreisen-Veranstalter heuer trotz Sicherheitsvorkehrungen vor Ort in Kauf nehmen. „Neben den höchstmöglichen Sicherheitsstandards in der Anlage ersuchen wir mit maßgeblicher Unterstützung des österreichischen Außenministeriums und der österreichischen Botschaft in Ankara die zuständigen türkischen Behörden um die Sicherung des gesamten Areals für 24 Stunden pro Tag.“

"Sicherheit hat höchste Priorität"

Auch Alexander Knechtsberger, Sprecher von X-Jam, bestätigt: „Die Sicherheit unserer Gäste hat für uns oberste Priorität. Mit der Region Belek/Antalya befinden wir uns an einer Destination, die in der Vergangenheit kein Ziel terroristischer Aktivitäten war.“

Demnach gäbe es keinen Grund zur Besorgnis, die Lage würde laufend sondiert. „Als Vorsorgemaßnahme haben wir das Sicherheitskonzept nochmals erweitert, das Sicherheitspersonal aufgestockt und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen – unter anderem auch im Bereich der Zutrittskontrollen in das Resort – verschärft“, beruhigt Knechtsberger.

Heuer wird „X-Jam“ mit seinem bewährten Konzept von Party, Liveakts und Strand in bewährter Manier stattfinden. Im kommenden Jahr wird der Reiseveranstalter mit seiner Partylocation jedoch nach Kroatien wechseln. „Das hat aber vor allem mit der Nachfrage und unserer Expansion nach Deutschland zu tun und nichts mit der Terrorgefahr“, so der Sprecher des Unternehmens.