Melk

Erstellt am 02. August 2016, 05:00

von Markus Glück und Anna Faltner

Bad: Burkini-Verbot schlägt hohe Wellen. Badeordnung: Nach Aus für Burkini gehen Diskussionen in der Stadtpolitik weiter. VP-Vize Kaufmann wehrt sich gegen Vorwürfe.

Das Aus für den Burkini im Melker Freibad löste österreichweite Diskussionen aus. Betroffen vom Verbot sind in der Stadt zumindest vier Personen.  |  shutterstock.com, Mila Supinskaya Glashchenko

Das Aus für den Burkini im Melker Wachaubad sorgte vergangene Woche für hohe mediale Wellen und heftige Diskussionen in der Stadtgemeinde und auf Facebook.

In ihrem Facebook-Auftritt wetterten die Grünen Melk über „einen unglaublichen Kniefall der ÖVP-Stadtregierung“. Erst bei der Ausstellungseröffnung „Fremde Nachbarn“ sollen sie noch „Integration geheuchelt“ haben.

Stadtrat Emmerich Weiderbauer (Grüne) betont gegenüber der NÖN, dass er kein Freund von religiös motivierten Kleidungsvorschriften ist, aber: „Ich bin tolerant und kann damit umgehen. Die Entscheidung war ein politischer Schnellschuss.“

Laut Weiderbauer, der mit den betroffenen Mädchen im Konversationskaffee vergangene Woche über den Vorfall gesprochen hat, betrifft das Verbot maximal vier Jugendliche. „Die Ehrenamtlichen reisten vor dem besagten Schwimmkurs sogar extra nach Wien, um einen den Vorschriften konformen Burkini zu kaufen“, erzählt Weiderbauer, der durch die Entscheidung einen enormen Schaden für die Stadt ortet.

„Der Stadtgemeinde Melk kann man nicht nachsagen, dass sie nicht offen ist für Flüchtlinge.“

Vizebürgermeister Wolfgang Kaufmann (ÖVP)

SP-Stadtrat Jürgen Eder findet zwar den Burkini nicht mit dem westlichen Weltbild vereinbar, es wäre, so Eder, aber besser gewesen, den betroffenen Frauen unsere Werte zu vermitteln. „Mit diesem Verbot werden die Betroffenen ins häusliche Umfeld zurückgedrängt. Es schade aber der Integration, wenn Menschen ausgesperrt werden“, äußert Eder seine Bedenken.

VP-Vizebürgermeister Wolfgang Kaufmann empfindet die Reaktionen auf das Burkini-Verbot als sehr negativ. „Der Stadtgemeinde kann man nicht nachsagen, dass sie nicht offen für Flüchtlinge ist. Immerhin sind über 2,5 Prozent aller Melker Flüchtlinge“, betont er.

Häufig im Raum stand auch die Aussage, dass Triathleten mit Neoprenanzug im Wachaubad trainieren dürfen. Dabei handelt es sich allerdings um eine Ausnahmegenehmigung. „Der HSV Melk darf im Melker Bad trainieren. Allerdings nur vor und nach den öffentlichen Betriebszeiten“, erklärt Kaufmann.

Bestätigt fühlt sich der Melker FP-Obmann Franz Peter Ofner: „Praktisch wurde genau das durchgeführt, was wir schon im April in einem Dringlichkeitsantrag gefordert haben.“

Fest steht: Im September wird das Thema auf jeden Fall im Gemeinderat besprochen. „Ich denke, dass die 15 Jahre alte Benützungsordnung auch irgendwo weltoffener geschrieben werden sollte“, so Kaufmann.

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