Melk

Erstellt am 20. April 2017, 04:00

von Denise Schweiger

Kattunfabrik: Modischer Sprung in Beruf. Ableger des sozialen Projektes eröffnete vergangene Woche in Sterngasse. Die Übungswerkstatt wird dabei auch zur Begegnungszone für Melker und Asylwerber.

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Die Kattunfabrik ist in der letzten Woche in Melk angekommen. „Kattun“ ist ein altes Wort für Baumwolle und verrät schon, womit sich die Teilnehmer befassen: mit der Nähmaschine.

Ursprünglich hat der Verein seinen Sitz in Wien. Nach regem Interesse ist ein Ableger in die Bezirkshauptstadt eingezogen. Hierbei verbessern derzeit einmal in der Woche zehn Teilnehmer in der Übungsschneiderei ihr Können. Neben dem handwerklichen Geschick liegt der soziale Aspekt im Fokus: Langzeitarbeitslose, Ex-Häftlinge, Flüchtlinge oder auch einfach Textilkünstler sollen dort Beschäftigung oder sogar ein Sprungbrett in die Arbeitswelt finden.

Vom Hobby zum möglichen Beruf

„Im Konversationscafé wurde das zum ersten Mal angesprochen. Wir lernen mit den Asylwerbern Deutsch. Viele von ihnen waren in ihrem Heimatland Schneider. Da haben wir uns gefragt, ob sich da eine Möglichkeit finden lässt. Dass das jetzt alles so gut klappt, freut mich sehr“, strahlt Initiatorin Elisabeth Gizicki-Merkinger.

Vom Hobby zum möglichen Beruf: Die Teilnehmer können nach Kursende zur Lehrabschlussprüfung oder Berufsfähigkeitsprüfung antreten. Die Praxis sowie das theoretische Wissen, das ein Schneider in den Beruf bringen muss, vermitteln die Kursleiter. „Wir wissen, dass der Beruf des Schneiders rückläufig ist. Jedoch gibt es viele Änderungsschneidereien und wenn Asylwerber neben dem Nähen auch noch Deutsch lernen, ist das doch eine gute Sache“, findet die Initiatorin.

In der Übungsschneiderei entstehen Kreationen, die die Stadtgemeinde widerspiegeln. Als erstes Werkstück wurden Einkaufstaschen genäht, die mit einem für Melk typischen Löwenkopf geschmückt wurden.

Bei Taschen wird es aber nicht bleiben. Die ehemalige Sozialarbeiterin betont: „Wir gehen auf das Können der Teilnehmer ein. Was dabei herauskommt, sehen wir dann.“