Melk , Klein-Pöchlarn

Erstellt am 17. August 2016, 05:00

von Markus Glück

Familien zittern vor Ausweisung. Helfer in Melk und Klein-Pöchlarn kämpfen gegen Abschiebung ihrer Schützlinge nach Kroatien.

Die irakische Familie in Klein-Pöchlarn, im Bild die Kinder Ibrahim, Safa und Sabaa, ist gut in das Dorfleben integriert. Beim Kinderferienspiel half die Mutter beim „Arabisch kochen“ tatkräftig mit.   |  privat

Im Herbst 2015 verlagerte sich der Flüchtlingsstrom nach Österreich von Ungarn auf die ehemaligen Balkanstaaten Kroatien und Slowenien. Nun sind die ersten Asylverfahren aus dieser Zeit aufgearbeitet, womit auch einigen Asylwerbern im Bezirk die Abschiebung nach Kroatien droht.

Nach einem Fall in Loosdorf, wo acht Asylwerber betroffen sein könnten, fürchten Flüchtlingshelfer in Melk und Klein-Pöchlarn ebenfalls die Rückschiebungen ihrer Schützlinge nach Kroatien.

Gegenüber der NÖN stellt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher im Innenministerium, klar: „Kroatien ist ein Dublin-Mitgliedsstaat. Wenn Kroatien zuständig ist, gibt es die Pflicht, die Menschen auch dorthin auszuweisen.“ Laut Innenministerium erfolgen die Rückführungen zeitnah, die Systematik mit Kroatien funktioniere bisher sehr gut.

„Die irakische Familie hat in Kroatien schlechte Erfahrungen gemacht und will nicht dorthin ausgewiesen werden.“

Monika Kreisa, Helferin

Kritik an der Abwicklung gibt es auch von Petra Leschanz, Juristin der Initiative Border Crossing Spielfeld, die die Flüchtlinge in Loosdorf vertritt: „Die Anträge werden oft in nur drei Tagen bearbeitet, was für eine umfangreiche Prüfung viel zu wenig ist.“ Insgesamt wurde zuletzt 1.500 Familien die Rückschiebung in andere EU-Staaten angekündigt.

Eine Familie, die davon betroffen ist, zittert derzeit in Klein-Pöchlarn um ihren Verbleib in Österreich. „Die irakische Familie hat in Kroatien schlechte Erfahrungen gemacht und will nicht dorthin ausgewiesen werden“, erklärt Monika Kreisa vom Helferteam in Klein-Pöchlarn. Für die Familie sei die derzeitige Situation eine Katastrophe, wie sie weiter ausführt: „Sie sind integriert und Helfer unterstützen sie. Der Vater betätigt sich ehrenamtlich im Dorferneuerungsverein, die Mutter unterstützte uns beim Kinderferienspiel.“

Persönliche Beziehung durch Zusammenarbeit

Durch die Zusammenarbeit sind auch persönliche Beziehungen entstanden, die die Helfer nun weiter pflegen möchten. „Für die gutherzigen Helferlein heißt es nach der Abschiebung: Warten auf eine neue Familie. Das ist menschenverachtend und zynisch und das kann ein Europa-Abkommen nicht wollen“, meint Kreisa süffisant.

Von der Diakonie wurde der Familie jetzt eine Rechtsberaterin zur Verfügung gestellt, die eine Beschwerde gegen den Bescheid führt. „Wir lassen uns nicht unterkriegen und planen im Herbst einen Abend mit der Familie“, gibt sich Kreisa kämpferisch.

Einen ähnlichen Fall gibt es auch im Melker Containerdorf. „Die Angst war bei allen Familien groß, dass ihr Verfahren nicht in Österreich behandelt wird. Es stimmt aber nicht, dass es bereits eine Abschiebung gibt. Bei einer Familie sieht es derzeit danach aus, als ob Kroatien für das Asylverfahren zuständig ist“, erklärt Marianna Weigl von der Caritas. Vonseiten der Caritas wurde ebenso ein Beschwerdeverfahren eingereicht.