Erstellt am 05. Januar 2016, 05:03

von Michael Unger

Melker (25) macht mit Startup Millionen. Mit 20 brach der Melker Leo Widrich die Uni ab und ging in die USA. Heute leitet er eine Firma mit 10 Millionen Dollar Umsatz.

Der erfolgreiche Melker Start-up-GründerLeo Widrich beantwortete letzten Mittwoch im Café Madar auf Einladung der JVP Fragen zu seiner Firma, zu Unternehmergeist und den Unterschieden zwischen den USA und Österreich.  |  NOEN, Unger
Es klingt wie der alte „American Dream“ in der Version des Start-up-Zeitalters: Mit 20 brach der gebürtige Melker Leo Widrich sein Studium an der renommierten Warwick Business School in England ab, um mit seinem Studienkollegen Joel Gascoigne nach San Francisco zu gehen. Dort gründeten die beiden „Buffer“. Die gleichnamige App synchronisiert und automatisiert Posts auf verschiedenen Social-Media-Seiten.

Fünf Jahre später beschäftigt die Firma 70 Mitarbeiter und macht rund zehn Millionen Dollar Umsatz im Jahr.

135 von 150 Investoren sagten ab

Widrich lebt heute in New York und kommt nur selten nach Melk. Zu den Feiertagen besucht er aber seine Familie. Daher konnte ihn die JVP Melk für einen Diskussionsabend über Start-ups und die Unterschiede zwischen den USA und Österreich letzten Mittwoch im Café Madar gewinnen.

„Wir erhielten ein Kaufangebot über 120 Millionen Dollar,
aber uns macht das Ganze noch zu viel Spaß.“
Leo Widrich, Start-up-Gründer aus Melk

Dabei zeigte sich auch, dass der Erfolg der Firma keineswegs von Anfang an feststand. Widrich und sein Studienkollege gingen ein echtes Risiko ein. Die Mietpreise in San Francisco hatten sie unterschätzt. Und so wurde, als sie nicht gleich Investoren fanden, schnell das eigene Ersparte knapp. „An einem gewissen Punkt sagten wir uns: Noch eine Woche, dann sind wir auf der Straße“, so Widrich.

Insgesamt sprach er mit 150 Investoren, von denen 135 absagten: „Wir waren für die nur Kinder.“ Doch mit denen, die zusagten, konnten die beiden doch noch ihr Startkapital von 500.000 Dollar zusammenkratzen.

Rund drei Millionen Nutzer

Dann ging es steil bergauf. Vor eineinhalb Jahren hatte die App bereits 1,5 Millionen Nutzer und das Unternehmen 25 Mitarbeiter. Heute sind es rund drei Millionen Nutzer und 70 Mitarbeiter. Und die Expansion soll weitergehen: Widrichs Ziel sind 175 Mitarbeiter bis Ende 2016 und eine Verdopplung des Umsatzes auf 20 Millionen Dollar im Jahr.

Übernahmeangebote für Buffer gab es bereits. Erst vor wenigen Monaten bot ein Interessent 120 Millionen Dollar. Widrich, der rund 25 Prozent der Anteile hält, hätte der Deal also auf einen Schlag um etwa 30 Millionen reicher gemacht. Doch er und sein Partner lehnten ab. „Uns macht das Ganze einfach noch viel zu viel Spaß“, erklärt der Melker.

Bei Buffer ist der Sohn des Melker Bürgermeisters als Chief Operating Officer (COO) für Marketing und Business Development zuständig.

Kein Büro oder feste Arbeitszeiten

Buffer ist eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche Firma. Es gibt kein Büro, jeder arbeitet von zu Hause aus. Daher gibt es auch keine festen Arbeitszeiten, es zählt nur das Ergebnis. Und das Unternehmen lebt „totale Transparenz“. Alle Gehälter, Bilanzen und das Firmenkonto sind online einsehbar.

Auch Widrich selbst nutzt die Freiheit, die ihm die dezentrale Organisation der Firma bietet. 2015 hat er in San Francisco, Paris, Berlin, Island und New York gelebt. Demnächst zieht es ihn nach San Diego und Hawaii. Längerfristig will er aber in den USA bleiben. Vor Kurzem erhielt er seine Greencard, die permanente Aufenthaltsbewilligung. Als 2011 ihre ersten, dreimonatigen Visa nicht verlängert wurden, verlegten Widrich und Gascoigne die Firma aber auch kurzerhand nach Hongkong.

Zur Person

Leo Widrich wurde am 9. Juli 1990 geboren. Er besuchte die Volksschule Melk und die Unterstufe des Stiftsgymnasiums Melk. Danach wechselte er in die Sir Karl Popper-Schule nach Wien. Sein Managementstudium in England brach er nach drei Semestern ab und widmete sich Buffer.