Erstellt am 22. Juni 2016, 05:40

von Claudia Christ

Nachwuchswissenschaftler aus NÖ zu Gast bei Barack Obama. Nachwuchswissenschaftler Michael Stadler während seines Heimaturlaubs in Hofamt Priel über seine Auszeichnungsfeier von US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus.

President Barack Obama joins recipients of the 2013 Presidential Early Career Award for Scientists and Engineers (PECASE) for a group photo in the East Room of the White House, May 5, 2016. (Official White House Photo by Lawrence Jackson)  |  NOEN, Lawrence Jackson (The White House)

NÖN: Sie arbeiten seit 2008 fix als Wissenschaftler am Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien und forschen an intelligenten Stromnetzen. Anfang Mai erhielten Sie für Ihre Smartgrid-Forschung eine Auszeichnung von allerhöchster Stelle, dem US-Präsidenten Barack Obama im Weißen Haus in Washington. Wie war‘s?
Michael Stadler: Einfach unvergesslich. Es war nicht nur eine Feier, sondern es waren gleich drei an zwei Tagen. Am ersten Tag gab es eine Ehrung vom US Energieministerium und eine Feier für alle 100 geehrten Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen durch das „Büro für Wissenschaft, Technologie und Politik“ am Weißen Haus, aber ohne den US Präsidenten. Am 5. Mai, dem zweiten Tag der Feierlichkeiten, trafen wir Preisträger dann den Präsidenten persönlich.

Welche Eindrücke nehmen Sie von Ihrem Besuch im Weißen Haus mit?
Bevor man Gast im Weißen Haus ist, muss man natürlich einige Sicherheitschecks wie den FBI Background-Check und mehrere Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen. Ist man jedoch im Weißen Haus, ist die Atmosphäre ziemlich locker und leger. Wir durften uns vor der Feier ganz ungezwungen und frei im Ostflügel bewegen und sogar Fotos machen. Als Präsident Obama den beeindruckenden Saal betrat, gab es für viele kein Halten mehr. Mit Jubel und Applaus wie bei einem Rock-Konzert wurde Obama empfangen. Es dauerte rund fünf Minuten, bis sich die Menge beruhigte. Danach nahm sich der Präsident für jede/n Zeit, gratulierte persönlich, scherzte und gab sich ungezwungen. Leider durften wir keine Fotos mit dem US Präsidenten machen.

Amerika ist also stolz auf seine Wissenschaftler. Wurde Ihr Erfolg auch in Österreich geschätzt?
Der Nationalstolz in den USA ist wirklich beeindruckend und wohl mit keinem anderen Land zu vergleichen. Auch Obama betonte beim Treffen, wie stolz er auf die Leistungen ist, die von Wissenschaftlern verschiedenster Nationalitäten für Amerika erbracht werden. Es wurde jedes Land aufgezählt, aus dem die Preisträger sind. Obama wollte auch von jedem Preisträger wissen, von wo er oder sie abstammt. In Österreich waren die Reaktionen etwas verhaltener. Medien haben es schon wahrgenommen, als es Anfang März bekannt wurde, und Landeshauptmann Erwin Pröll hat mir einen Brief geschickt, in dem er mich als Inspiration für andere Wissenschaftler bezeichnete. Dennoch – das ist mit den Reaktionen in Amerika nicht zu vergleichen. Mit einer Ehrung vom US-Präsidenten bist du in den Vereinigten Staaten eine angesehene Person.

Was hat sich beruflich für Sie durch die Auszeichnung verändert?
Meines Wissens nach bin ich der erste Österreicher, dem diese Ehre zuteil wird. Mein Stellenwert als Wissenschaftler hat sich in den Vereinigten Staaten enorm erhöht. Viele Leute kommen jetzt auf mich zu und wollen mit mir und meinem 40-köpfigen Team zusammenarbeiten. Der Umfang an E-Mails und Anfragen ist einfach nicht mehr von mir zu bewältigen.

Sie sind gerade auf Heimaturlaub in Hofamt Priel. Ist eine gänzliche Rückkehr nach diesem Erfolg für Sie überhaupt denkbar?
Wenn ich zurückkomme, dann hauptsächlich wegen meines Heimatlandes Österreich und meines Forschungsvereins Zentrum für Energie und innovative Technologien, aber arbeitstechnisch ist es schwierig, denn hier fehlt mir das wissenschaftliche Umfeld und Forschungsklima, das ich für meine Forschung benötige. Wahrscheinlich müsste ich auch einen Teil meines US-Teams mitnehmen. Aber es gibt zwei österreichische Institutionen, die innovativ und interessant sind und für mich Anknüpfungspunkte bieten.

Wann werden Sie das nächste Mal nach Österreich kommen?
Ich habe eine Einladung von der Energie- und Umweltagentur NÖ zum Energie- & Umwelt Gemeindetag am 9. September im Landtagssaal in St. Pölten zum Thema „Energiewende.Land.Niederösterreich. Global denken – Lokal handeln“ erhalten. Der Kontakt zur Heimat Österreich reißt also nicht ab.