Persenbeug-Gottsdorf

Erstellt am 19. Oktober 2016, 05:00

von Anna Faltner

Familie wurde nach Frankreich abgeschoben. Nach sechsmonatigem Aufenthalt in Persenbeug wurde eine afghanische Familie in der Vorwoche nach Frankreich abgeschoben.

 |  APA/HELMUT FOHRINGER

Sechs Monate lang kümmerten sich Freiwillige und Gemeindebürger um eine afghanische Familie, die im April in eine Gemeindewohnung in Persenbeug eingezogen war. In der Vorwoche musste die vierköpfige Familie Österreich verlassen. Grund dafür: das Dublin-Verfahren.

Schon bei ihrer Ankunft im April war klar, dass die Familie nicht auf Dauer in Persenbeug bleiben darf. „Sie sind mit einem Visum aus Frankreich in Österreich eingereist. Deswegen war Frankreich für das Verfahren zuständig“, erzählt Werner Scholz, der die Familie in den letzten Monaten betreut hat. Dass die Abschiebung droht, wussten alle Beteiligten seit Juni. Trotzdem hatten Mutter, Stiefsohn und zwei Kinder, die bereits die Volksschule besuchten, die Hoffnung nicht aufgegeben, in Persenbeug bleiben zu dürfen.

„Die Familie wollte nicht nach Frankreich“

„Die Familie wollte nicht nach Frankreich“, sagt Scholz. Auch SP-Bürgermeister Manfred Mitmasser betont: „Wir haben versucht, dagegen einzulenken. Das hat aber nichts bezweckt. Für uns wäre es absolut kein Problem gewesen, wenn sie geblieben wären.“ Da die Familie nicht freiwillig gehen wollte, wurde sie in der Vorwoche abgeschoben. Werner Scholz reiste ihnen nach Wien nach: „Für mich gehört das dazu, dass man sich verabschiedet. Es war natürlich traurig und sehr schade.“

"Wahrscheinlich für sechs Monate in Lager"

Unverständlich ist die Situation auch für Maria Reichartzeder von der Flüchtlingsinitiative Persenbeug-Gottsdorf-Hofamt Priel. Sie ist vor allem verärgert darüber, dass im Vorhinein nicht abgesprochen wurde, wohin die Familie kommt. „Der älteste Sohn hat sich schon gemeldet. Es geht ihnen nicht gut. Sie müssen wahrscheinlich für sechs Monate in einem Lager in Frankreich leben“, erzählt sie.