Erstellt am 08. März 2016, 05:04

von Walter Fahrnberger

Rotkreuz-Chef in Ybbs abgewählt. Mit nur 41,6% ist Werner Hoffers Wiederwahl gescheitert. Auch Brachinger fiel durch. Nachfolger wird gesucht.

 |  NOEN, W. Fahrnberger, RK

Paukenschlag bei der Rotkreuz-Wahl am Freitag in Ybbs. Nach seiner ersten Periode als Bezirksstellenleiter wurde Mediziner Werner Hoffer von den anwesenden Mitgliedern abgewählt. Obwohl der Wahlvorschlag im Bezirksstellenausschuss Anfang Jänner einstimmig erstellt wurde und kein Gegenkandidat nominiert war, erhielt Hoffer nur 40 von 96 Stimmen (das sind 41,6%). Gleich danach gab er seinen sofortigen Rücktritt bekannt.

Mit dem gleichen Ergebnis wurde auch Ex-SP-Vizebürgermeister Franz Brachinger „abgestraft“. Er hätte sich als Wunschkandidat von Werner Hoffer für das Amt des Bezirksstellenleiter-Stellvertreters anstelle der scheidenden Waltraud Laher zur Verfügung gestellt. Für Hoffer kam das Ergebnis völlig unerwartet: „Das war eine Strafe von Leuten, die mir nahe stehen. Ich vermute, man wollte mir einen Denkzettel verpassen, weil ich mich so für die Flüchtlinge bei uns engagiert habe“, meint der 69-Jährige.

Werner Hoffer: „Es gab Kampagnen gegen mich“

Tatsächlich dürfte im Vorfeld ein Komplott gegen Hoffer in der Rotkreuz-Mannschaft geführt worden sein. „Das waren mündliche Kampagnen genau so wie mit SMS-Nachrichten“, weiß Hoffer. „Dass etwas im Busch ist, habe ich gemerkt, deshalb hat es schon im Vorfeld lange Gespräche mit Bezirksstellenleiter-Stellvertreter Alfred Elias gegeben.“ Für Franz Brachinger ist klar, dass „Alfred Elias mit einigen anderen im Hintergrund agiert hat. Er hat schon in seiner Zeit als Stadtrat immer drei Wahrheiten gehabt.“

„Er kann es vermuten, aber er hat keine Beweise“, kontert Elias, der zugibt, mit Brachinger als möglichem zweiten Bezirksstellenleiter-Stv. anfangs keine große Freude gehabt zu haben.

„Doch dann haben wir uns aber ausgesprochen und gesagt, dass es ab jetzt nur eine Fraktion gibt – das Rote Kreuz.“ Elias hätte ursprünglich so wie ein Teil der Mannschaft gerne den beliebten ehemaligen Ybbser Gemeindearzt Ernest Hauser in dieser Funktion gesehen. Hauser wäre auch zur Verfügung gestanden, wenn kein anderer kandidiert hätte.

„Mit dem Ergebnis hat aber keiner gerechnet“, meint auch Alfred Elias. Er selbst ist in seiner Funktion als Bezirksstellenleiter-Stellvertreter mit 76 Stimmen bestätigt worden. Damit muss er jetzt vorübergehend die Geschäfte von Hoffer übernehmen. Elias möchte jetzt rasch einen geeigneten Kandidaten finden. Für ihn persönlich ist es „jetzt noch zu früh, die Leitung zu übernehmen“, betont er.

Allzu viel Zeit bleibt nicht. Sollte in vier Monaten kein Kandidat feststehen, wird so wie beim Roten Kreuz Melk ein kommissioneller Bezirksstellenleiter von der Landesorganisation eingesetzt. Das will keiner.

Alles andere als erfreut sind auch die Bürgermeister im Einsatzgebiet, allen voran der Ybbser Alois Schroll: „Ob sich wirklich alle gut überlegt haben, welche Auswirkungen dieses Wahlergebnis hat, glaube ich nicht.“ Schroll hat am Dienstag alle Bürgermeister und Notärzte eingeladen, um für den fraglichen Fortbestand des NEF-Standortes zu kämpfen. Auf die Erfahrung des langjährigen Landessanitätsdirektors Werner Hoffer, der beim Aufbau des Notarztwesens in NÖ mitgewirkt hat, kann er dabei jetzt nicht mehr bauen.