Erstellt am 18. März 2016, 19:16

von APA/Red

Schallaburg beleuchtet die bewegten 70er-Jahre. "Die 70er - Damals war Zukunft": Was kam in diesem Jahrzehnt des gesellschaftlichen Aufbruchs und was blieb von den Visionen? Sind die Forderungen von damals - nach Selbstbestimmung oder "Arbeit, Bildung und Wohlstand für alle" - heute in Zeiten weltweiter Migrationsbewegungen noch aktuell? Diesen Fragen spürt die diesjährige Ausstellung auf der Schallaburg in spannender Weise nach.

Vor allem modisch sind vielen Menschen die 70er noch in guter Erinnerung. Doch wie stark prägen die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit bis heute unser Leben? Ab 19. März wird auf der Schallaburg dieser Frage nachgegangen.  |  NOEN, Daniela Matejschek

"Die Schallaburg steht für Begegnungsraum und Themen der Gegenwart", sagte der künstlerische Leiter Kurt Farasin bei einer Presseführung vor der Eröffnung am Freitag. Die Schau wurde in Zusammenarbeit mit Künstlern derart konzipiert, die Bedeutung der damaligen Entwicklungen für heute darzustellen und zum Nachdenken anzuregen. Neu in dieser Saison: "Das Tagesticket wird zur Saisonkarte", lud Farasin dazu ein, so oft wiederzukommen wie man möchte. Der umfangreiche Katalog enthält u.a. eines der letzten Interviews mit der kurz vor Weihnachten 2015 verstorbenen Ikone der Grünen, Freda Meissner-Blau.

Plateauschuhe, Glockenhosen, Kleider mit "wilden" Mustern in orange, "Saturday Night Fever": Die Welt wurde bunter und schriller. Die Zivilbevölkerung gab ein kräftiges Lebenszeichen: Man demonstrierte für den Weltfrieden und sagte zur Atomkraft "nein, danke". Gratis-Schulbücher, 40-Stunden-Woche und Fristenlösung wurden in den 70ern eingeführt.

Die Ausstellung ist - nach einem Raum zur informativen Einführung in die Anordnung - in sieben Kapitel gegliedert, die jeweils mit in den 70ern erhobenen Forderungen überschrieben wurden. Beleuchtet werden der Wohlfahrtsstaat, Bewegungen und Revolten, der Bereich Alltag und Medien, die damaligen Kalten Kriege, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit Österreichs in der NS-Zeit, aber auch alternative Lebensformen wie Wohngemeinschaften und Kommunen sowie Ausstellungsutopien und museale Ansätze. Fünf von Künstlern gestaltete Debattenräume geben Platz für Diskussionen, darunter eine "Club 2"-Lounge, die an die legendäre spätabendliche Talkrunde des ORF mit Open End erinnert.

Ausstellung lädt zur Auseinandersetzung mit aktuellen Themen 

Anhand von Zeitungsausschnitten und Objekten vorgestellt werden die Akteure jener Zeit, von Politikern wie SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky und Staatssekretärin Johanna Dohnal über Fernsehstars wie Rudi Carrell, an dessen Show "Am laufenden Band" man damals nicht vorbeikam, bis zur Skandale provozierenden Punk-Ikone Nina Hagen, Protagonistinnen des Feminismus wie Alice Schwarzer oder Simon Wiesenthal, unermüdlicher Aufdecker von NS-Kriegsverbrechen.

Die Kneissl-Ski von Karl Schranz erinnern an den Ausschluss des Skistars von den Olympischen Winterspielen, der Bau der Wiener UNO-City, der Einsturz der Reichsbrücke, der Kärntner Ortstafelstreit, "Bravo"-Hefte zur Aufklärung: "Fortgeschrittene" Jahrgänge werden sich an ihre Jugend zurückerinnern. Die Schau zeigt aber auch im internationalen Kontext die damaligen Krisenherde auf - vom Bürgerkrieg in Afghanistan über Vietnam bis Nicaragua. Bevor man zum Ausklang in eine von einer sich drehenden Spiegelkugel beleuchteten Disco mit Musik von Barry White & Co gelangt - und eine Runde tanzen kann, wie bei der Führung betont wurde, lassen sich ein Schlangenledermantel von Keith Richards, zerbrochene Drumsticks von Deep Purple und eine Gitarre von Bruce Springsteen bestaunen.

Als Kuratoren fungierten Renate Höllwart, Elke Smodics, Nora Sternfeld und Ines Garnitschnig sowie Hannes Etzlstorfer, der bereits 2010 auf der Schallaburg die Präsentation über die 60er gestaltet hatte. Dazu kamen ein wissenschaftliches Team, Ausstellungsarchitekten und künstlerische Interventionen von u.a. Lisa Bolyos, Claudia Hummel, Bruno Klomfar und Martin Krenn.