Erstellt am 11. März 2016, 05:34

von Claudia Christ

Schimmelwohnung in Ybbs: „Situation ist untragbar“. Alleinerziehende vierfache Mutter in Ybbs fühlt sich von der Justiz und der Wohnbaugenossenschaft „Alpenland“ im Stich gelassen.

Die Alpenland-Wohnhausanlage in der Kirlstraße in Ybbs - hier kämpft eine Mieterin seit Jahren um die Sanierung ihrer durchfeuchteten Wohnung.  |  NOEN, Foto: Christ
Der Kirl gehört wohl zu den begehrtesten Wohnlagen in Ybbs. Seit September 2012 wohnt hier auch Silvia König mit ihren vier Kindern. Doch trotz toller Aussicht möchte die Alleinerziehende am liebsten so schnell wie möglich weg.

Feuchte Wände und Schimmelbefall machen den Königs das Leben in der Mietwohnung schwer. „Das Wasser kommt durch das Dach und den Kamin und hat sich bereits in den Wänden und auch unter dem Fliesenboden seinen Weg gebahnt“, erklärt sie. Der Dachboden stehe in der kalten Jahreszeit oftmals förmlich unter Wasser. Nur durch ständiges Lüften, und das auch bei winterlichen Außentemperaturen, sei es der Familie möglich, sich in den Räumen aufzuhalten.

x  |  NOEN, Christ


Gesundheitliche Probleme bei ihren Kindern sind die Folge. „Drei meiner vier Kinder haben bereits Asthma. Es ist schon so weit, dass die Kinder bei mir im Untergeschoß schlafen. Es ist untragbar“, klagt die alleinerziehende Mutter. Nach zig Anrufen bei der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Alpenland wurden vereinzelt dringend notwendige Maßnahmen seitens der Hausverwaltung ergriffen. Dennoch hat sich die Wohnsituation nicht wesentlich verbessert. „Überall in der Wohnung ist nach wie vor der feuchte Geruch wahrnehmbar.“

Bernhard Hintermeier, Bereichsleiter Haus- und Grundstücksverwaltung der Alpenland, wehrt sich im NÖN-Gespräch gegen den Vorwurf, der Instandhaltungspflicht nicht nachzukommen. „Das ist ein laufendes Verfahren. Bei den Begehungen konnten keine Schäden festgestellt werden. Es besteht derzeit für uns kein akuter Handlungsbedarf.“

Wertloses Gutachten vom Sachverständigen

Den sah Silvia König sehr wohl und entschloss sich zu klagen. „Wir haben bereits im März 2015 eine gerichtliche Beweissicherung beantragt“, so ihr Rechtsanwalt Hubert Niedermayr. Normalerweise wird in solchen Fällen innerhalb weniger Tage der Zustand der Wohnung von einem Gerichtssachverständigen dokumentiert.

Doch ein vollständiges Gutachten liegt dem Rechtsvertreter auch heute, nach einem Jahr, noch nicht vor. „Konkret fehlt bei der Dokumentation, die wir erst im September 2015 erhalten haben, der Wert des Schimmelgrades. Nur mit diesem Wert kann die Klage eingebracht werden“, so der Anwalt. Auch Interventionen beim Sachverständigen und beim Bezirksgericht Melk brachten kein Ergebnis.

"Werden nicht klein beigeben"

Laut Landesgericht St. Pölten ist das Beweissicherungsverfahren bereits abgeschlossen. „Im Jänner wurde noch eine weitere Übermittlung einer Beilage vom Anwalt beantragt, dazu kann ich aber bedauerlicherweise keine Auskunft erteilen“, so Richterin Andrea Humer.

Es scheint, als würde die Angelegenheit wie ein Pingpong-Ball hin und her geschoben. „Wir werden nicht klein beigeben und auf Bereitstellung einer Ersatzwohnung klagen“, so Königs Anwalt.