Erstellt am 02. Februar 2016, 04:03

von Claudia Stöcklöcker

Schuldspruch nach Randale vor Flüchtlingslager. 28-Jähriger randalierte im Transitquartier für Flüchtlinge. Als sich Polizisten auf seine Fersen hefteten, gab er Vollgas. Nun muss er 18 Monate hinter Gittern absitzen.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)

„Da war Aggression in mir. Ich habe mir gedacht, denen wird geholfen und mir nicht“, sagt ein 28-jähriger aus dem Bezirk Melk vorm Richter.

Mit 1,5 Promille im Blut fuhr er am frühen Morgen im November 2015 mit seinem Auto gegen die Gitterabsperrung des Messegeländes in Wieselburg. Vor der Halle, in der 300 Flüchtlinge schliefen, schrie und schimpfte er laut.

Ob er fremdenfeindlich ist? „Ich hab’ nichts gegen die Leute dort. Ich hab’ mich aufgeregt über die Regierung“, erklärt er. Und: „Weil ich nach meiner Haftentlassung meine Wohnung verloren habe. Mir ist in dieser Zeit nichts gelungen, deshalb hab’ ich wieder zu trinken begonnen, ich wollte auch Unterstützung.“

Rotkreuzhelfer ins Gesicht geschlagen

Schlimmeres verhindern am Messegelände wollte ein Rotkreuzhelfer, er stellte sich dem Rasenden in den Weg und kassierte einen Schlag ins Gesicht.

„Dann ist Polizei gekommen. Ich hab’ das Nummerntaferl, das ich verloren hab’, ins Auto geschmissen, bin losgefahren“, so der Angeklagte im Prozess Landesgericht St. Pölten.

Mit der Exekutive lieferte der 28-Jährige sich eine wüste Verfolgungsjagd und stoppte davor einen Lkw-Fahrer. ,Ich brauch’ den Lastwagen, wir fahren zum Asylantenheim‘, hat er gesagt. Ich hab’ den Lkw zugesperrt“, erzählt der Brummifahrer.

„Diese Aktion hatte nur einen Sinn:
Ihr Leben bestmöglich zu ruinieren“,
Richter 

„Schon im Transitquartier hat der Angeklagte Gas gegeben. Wir sind ihm nach. Wollten ihn überholen und mussten uns zusammenschleifen, sonst wäre es zur Kollision gekommen“, sagt ein Polizist. Eine Anhaltung scheitert: „Das ist er einfach durchgefahren.“

Crash mit Streifenwagen

Zum Crash mit einem Streifenwagen kam es dann auf einer Wiese, davor fuhr der 28-Jährige auf zwei Exekutivbeamte zu, die mit Warnwesten, Blaulicht und Haltekelle versuchten, ihn aufzuhalten.

Sieben Vorstrafen hat der 28-Jährige, eine Haftstrafe verbüßt er gerade. „Diese Aktion hatte nur einen Sinn: Ihr Leben bestmöglich zu ruinieren“, sagt der Richter zum ihm und verhängt wegen Sachbeschädigung, versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt, versuchte und schwere Körperverletzung sowie Nötigung 18 Monate Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.