Erstellt am 04. Oktober 2015, 13:07

von Walter Fahrnberger

„Ja“ zur Sanierung – Debatte um Beratung. Nach „60.000 Euro“-Beratungsauftrag für Schrolls Ex-Chefin Christa Kranzl gibt es Kritik von der Opposition.

Die Ybbser Stadthalle soll saniert werden.  |  NOEN, Fahrnberger
Dass die in die Jahre gekommene Ybbser Stadthalle saniert werden muss, darüber sind sich alle Parteien einig. Immerhin ist das Gebäude 50 Jahre alt. Deshalb wurde in der Gemeinderatssitzung der Grundsatzbeschluss zur „Sanierung der Stadthalle“ sowie die Installierung eines Baubeirats einstimmig beschlossen.

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Für mehr Diskussionen sorgte hingegen der Auftrag zur Projektbegleitung an das Unternehmen von Christa Kranzl, der ehemaligen Chefin von Bürgermeister Alois Schroll (SPÖ). Sie soll mit der Kranzl-Marketing-Unternehmensberatung (KMU) der Stadt helfen, alle möglichen Förderungen auszuschöpfen. Zu einem Pauschalhonorar von zweimal je 30.000 Euro (für 2016 bzw. 2017) und zusätzlich vereinbartem Erfolgshonorar.

„Es gab keine Angebotseinholung von anderen Firmen, auch wenn die Auftragssumme mit Erfolgshonorar von insgesamt 99.000 Euro plus anfallender Reisespesen unter der ausschreibungspflichtigen Grenze von 100.000 Euro liegt“, kritisiert Paul Hacker von der Wahlplattform unabhängiger Ybbser (WUY) den Entscheidungsprozess. Es sei vor allem die persönliche Nähe des Bürgermeisters zu seiner ehemaligen Arbeitgeberin, die den Eindruck von „Freunderlwirtschaft“ und Intransparenz erweckt, wie Hacker betont.

Schroll: „Dieser Preis ist sehr niedrig“

Hacker enthielt sich so wie die beiden FPÖ-Mandatare Gerhard Steindl und Andreas Reitner der Stimme. Reitner stieß ins selbe Horn wie Hacker und will zudem auch beim Land nachfragen, ob die Auftragsvergabe ohne Ausschreibung rechtens ist. Irene Kerschbaumer (ÖVP) stimmte überhaupt dagegen.

Dass es ein Nahverhältnis gibt, streitet Kranzls ehemaliger Pressesprecher, Bürgermeister Alois Schroll (SPÖ), auch gar nicht ab: „Aber es kann niemand bestraft werden, weil er mit mir zusammengearbeitet hat.“ Kranzl werde ein gesamtes Nutzungs-, Planungs- und Finanzierungskonzept erstellen. Der Preis des Angebots ist für Schroll ohnehin „derart niedrig, weil in der Regel bis zu fünf Prozent der Auftragssumme verlangt werden“.

Das wären bei Projektkosten von zum Beispiel 8 Mio. Euro und einer laut Schroll erhofften Subvention von 50 Prozent der Auftragssumme dann bis zu 200.000 Euro. Hinter Schroll steht in diesem Punkt auch ÖVP-Stadtrat Ewald Becksteiner „Wir brauchen Kranzl für das Projekt.“

Auch Kranzl selbst betont, dass sie der Stadtgemeinde sehr entgegengekommen sei, und freut sich, dass es mit 18 Ja-Stimmen eine breite Zustimmung für ihren Auftrag gegeben hat. Die Kritik kann sie nicht verstehen. „Ich bin seit fünf Jahren in der Förderberatung tätig. Es ist alles völlig transparent und eine Ausschreibung nicht nötig.“