Erstellt am 26. Januar 2016, 05:03

von Anna Faltner

„Verwechslungsrisiko ist gleich Null“. Wie jüngst bekannt wurde, waren vor 25 Jahren zwei Babys in Graz vertauscht worden. Melker Klinikum schließt Verwechslung aufgrund der heutigen Vorgehensweisen aus.

Das Landesklinikum Melk schließt Verwechslungen von Neugeborenen weitgehend aus.  |  NOEN

Seit drei Jahren lebt eine junge Steirerin mit dem Wissen, nicht das leibliche Kind ihrer Eltern zu sein. 1990 wurde sie kurz nach ihrer Geburt vertauscht. Vor Kurzem gelangte der Fall an die Öffentlichkeit. Die vermutliche Babyverwechslung an der Grazer Uniklinik sorgt nun österreichweit und auch im Bezirk Melk für Schlagzeilen.

„Es ist mit ziemlicher Sicherheit aufgrund der heutigen Vorgehensweisen ausgeschlossen, dass es zu Verwechslungen kommen kann“, versichert Leopold Wanderer, Leiter der Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Landesklinikums Melk. Eine Verwechslung oder Ähnliches gab es in Melk noch nie. Vor rund 30 Jahren galten jedoch noch andere Richtlinien in den Spitälern. „‚Rooming in‘ war nicht selbstverständlich. Die Kinder waren weniger bei der Mutter und die Eltern waren in die Untersuchungen nicht eingebunden“, bestätigt Wanderer.

Eltern und Kind werden nicht getrennt

Den Patienten im Melker Landesklinikum wird heutzutage zu 100 Prozent versichert, dass sie wirklich ihr eigenes Kind mit nach Hause nehmen. Um einer Verwechslung entgegenzuwirken, werden Eltern und Kind von der Geburt an bis zur Entlassung nicht mehr getrennt.

Bei einer Spontangeburt verbringen Kind und Eltern rund drei Stunden im Kreiszimmer. Das Kind kommt sofort zur Mutter, um einen ersten Körperkontakt herzustellen. „Waschen, Wiegen, Messen und das Anlegen des fixen Armbändchens erfolgt alles im selben Raum und in Anwesenheit der Eltern,“, erklärt der Facharzt.

Nach einem Kaiserschnitt kommt das Kind direkt vom OP-Saal gemeinsam mit Vater und Hebamme ins Säuglingszimmer. Der erste Körperkontakt wird nach dem Kaiserschnitt mit dem Vater hergestellt. „Hier ist der Vater die ganze Zeit anwesend“, unterstreicht Wanderer.