Ybbs an der Donau

Erstellt am 12. Juli 2017, 04:37

von Markus Glück

„Freibier für alle spielt es nicht“. Schwimm-Trainer müssen künftig drei Euro für Bahnen zahlen. Diese drohen jetzt mit Abzug aus Hallenbad.

Hunderte Babys werden jährlich im Freizeitzentrum mit dem Element Wasser vertraut gemacht.  |  NOEN, Tanya_Goncharova/shutterstock.com

Es war ein kleiner, unscheinbarer Tagesordnungspunkt, der aber die Emotionen der anwesenden Schwimmtrainerinnen des Ybbser Freizeitzentrums hochgehen ließen: die Einführung einer Bahngebühr in der Höhe von drei Euro.

Bereits vor der Sitzung erreichte die Gemeinderäte ein Schreiben, in dem Kritik an der Einführung geäußert wurde, und sogar mit einem Abzug, etwa der Babyschwimmkurse, aus Ybbs gedroht wurde.

In der Sitzung versuchte der zuständige VP-Stadtrat Ewald Becksteiner die Emotionen aus der Debatte zu nehmen: „Wir sind dankbar über jeden Gast. Es gibt aber Kritik von vielen Besuchern, wenn Bahnen für gewerbliche Zwecke abgesperrt sind. Da wir eure Sorgen ernst nehmen, erfolgte auch eine Reduktion von ursprünglich fünf auf drei Euro.“ Der Stadtrat betont auch, dass dem Hallenbad, etwa durch das Aufheizen der Becken, täglich Mehrkosten von 200 Euro entstehen.

 Gebühr von 30 Cent

 Kritik gab es noch während der Sitzung von Babyschwimm-Lehrerin Andrea Weichselbaumer, die massive Verdienstverluste fürchtet: „Wird die Bahngebühr eingeführt, müssen wir unsere Preise erhöhen. Dadurch verlieren wir Kunden.“ Sie betont auch den Mehrwert des Babyschwimmens für die Gemeinde und das Hallenbad. „Zu uns kommen 400 Mütter mit ihren Babys, manche reisen sogar aus St. Pölten an.“, ärgert sich Weichselbaumer.

Unterstützung erhält sie von Trainerin Gerlinde Redl: „Ich mache seit 14 Jahren Schwimmkurse und frage mich, ob es sinnvoll ist, etwas kaputt zu machen, was funktioniert.“ Beim Babyschwimmen würden für Weichselbaumer durch die Gebühr Mehrkosten von 11.200 Euro pro Jahr entstehen. „Das muss ich an meine Kunden weiterverrechnen“, so Weichselbaumer.

Den Sorgen der Schwimm-Trainerin entgegnet Becksteiner, dass es sich pro Teilnehmer um eine Gebühr von 30 Cent handelt. „Wir können nicht alles kostenlos anbieten, sonst gibt es unser Bad irgendwann nicht mehr.“

Finanzielle Verluste bei Hallenbad

Verärgert von der zähen Debatte zeigte sich SP-Stadtchef Alois Schroll: „Freibier für alle spielt es halt nicht. Wir haben beim Hallenbad einen massiven Abgang. Andere Gemeinden kämpfen überhaupt ums Überleben ihrer Bäder. In Wahrheit geht es um 2,40 Euro, da ihr die Mehrwertsteuer abschreiben könnt.“ Der Stadtchef spricht aber auch den Brief der Trainerin an: „Es ist eine Frechheit, was da drinnen steht – und man uns dafür verantwortlich machen will, wenn Kinder ertrinken könnten.“

Bevor es zur Abstimmung kam, betonte WUY-Gemeinderat Paul Hacker die Gefahr des Verlustes von Badegästen bei einer Abwanderung der Kurse. Dem kontert Becksteiner: „Wir haben bei anderen Bädern angefragt, manche verlangen bis zu 20 Euro. Wenn man so will, sind wir bei dieser Gebühr Nachzügler.“ Bei der Abstimmung stimmte am Ende nur Hacker dagegen. Ab wann die Gebühr gilt, ist aber noch offen. „Ich bitte euch, dass wir noch darüber reden und die Gebühr nicht schon ab Herbst gilt“, so Weichselbaumer.